Hanse Sail 2026

Die ganz großen Segelschiffe blieben dieses Jahr aus. Kein einziges Segelschulschiff war zu Besuch in Warnemünde. Wir hatten uns entschieden, mal wieder auf den Marinestützpunkt Hohe Düne, der alljährlich zur Hanse Sail seine Pforten öffnet, zu fahren.

Wir nehmen die Fahrräder und radeln nach Warnemünde zur Fähre. Bevor wir übersetzen, laufen wir einmal die Mittelmole entlang und gucken uns die Schiffe an.

Aber es ist viel zu voll. An der Elbe 1 entdecke ich einen Hinweis, dass sie auch Tagesfahrten nach Helgoland machen. Das interessiert mich viel mehr als die Touren, die während der Hanse Sail gemacht werden. Ich knipse mir das Schild und wir gehen weiter zur Fähre.

Die Überfahrt wäre übrigens preisgünstiger gewesen, wenn wir mit dem Auto gefahren wären. Zwei Erwachsene mit Fahrrädern kosten 7,00 €. Für das Auto haben wir eine 10er-Karte. Da kostet eine Fahrt dann insgesamt 6,30 €. Nun ja.

Die Strecke zum Marinestützunkt ist nicht mehr weit, die Fahrräder können wir davor abstellen. Bevor man auf das Gelände kann, muss man allerdings den Ausweis vorzeigen und dem Soldaten einen Blick in die Tasche werfen lassen. Da ich das vorher schon wusste, ist in der Tasche nicht mehr als unbedingt nötig drin.

Was ich vorher nicht wusste und worauf mich der Soldat aufmerksam gemacht hat: Mein Personalausweis ist abgelaufen. Ups.

Wir kommen an großen und kleinen Baggern, an Transportfahrzeugen und den Feldjägern vorbei. Unser erstes Ziel ist nämlich die Fahrschule. Der Mann würde gerne mal Lkw fahren, aber jetzt ist ihm die Schlange zu lang. Dann halt nicht.

Wir wollen weiter zum Wasser, dort haben einige Schiffe Open Ship und da wollen wir hin.

Das Fischereischutzschiff Seeadler ist heute für Besucher geöffnet und wir wollen es uns angucken. Ich habe keine Ahnung, was ein Fischereischutzschiff mache und frage nach. Der von mir Angesprochene ist der Kapitän und erklärt mir, dass ihre Aufgabe darin bestehe, die Fischer auf dem Meer zu kontrollieren, ob sie sich an die Vorschriften halten.

Also schützt das Boot eher die Fische und damit nur indirekt die Fischerei. Wie auch immer, es gibt einen Rundgang, dem wir folgen und der zuerst zur Brücke führt.

Da ist es erwartungsgemäß etwas voll und natürlich wollen alle anwesenden Kinder unbedingt mal auf den wichtig aussehenden Stühlen sitzen. Ich will das eigentlich auch gerne mal, verkneife mir das aber und knipse lieber Schalter mit interessanten Beschriftungen und den Blick aus dem Fenster.

Nachdem wir alle Knöpfe, Hebel, Schalter und Monitore ausgiebig bestaunt haben, folgen wir wieder dem Rundgang, der auf der Seeseite weiter führt. Ich kann den Seehafen sehen. Und nicht nur das, die A1442, die schon ewig hier auf der Werft liegt und vom IGA-Park aus zumindest teilweise zu sehen ist und sogar das Museumsschiff sind zu sehen.

Das nächste Highlight ist der Maschinenraum. Am Rettungsboot vorbei um den grauen Kasten herum geht es hinein.

Meine Belastbarkeit und meine Aufnahmekapazitäten sind stark limitiert. Daher ich habe ich gar nicht erst gefragt, was das alles für Zeug ist und wie es funktioniert, denn mich hätte es überfordert, den Leuten zuzuhören. So beschränken wir uns darauf, das ganze beeindruckend aussehende Zeug zu knipsen und die Bilder etwas laienhaft zu beschriften.

Darüberhinaus ist es uns gelungen, modernste Technik an Bord des Schiffes zu knipsen.

Ich fand das schon ziemlich interessant, bin jetzt aber auch ziemlich platt. Wir gehen von Bord und wollen eigentlich zurück an Land, da sehen wir, dass das gegenüberliegende Zollschiff Rügen ebenfalls offen für Besucher ist. Und so schauen wir uns das auch noch an.

Die Rügen ist noch sehr neu, sie wurde erst im letzten Jahr in Dienst gestellt. Sie hat einen Flüssiggasantrieb und ist aktuell das längste Schiff des Zolls. Leider haben wir es völlig vercheckt, das Schiff von außen zu knipsen.

Nach so viel Technik beschließen wir, etwas zu essen. Es ist zwar eigentlich noch viel zu früh, aber das hat immerhin den Vorteil, das es noch keine langen Schlangen an den Futterplätzen gibt. Bratwurst und Pommes ist das Menü der Wahl, Wasser haben wir selbst dabei. Zum Knipsen des Essens ist es zu warm.

Wir holen uns noch ein Eis und schlendern weiter über das Gelände. Dabei kommen wir an der Feldküche vorbei, die drei verschiedene Gerichte anbietet. Hier ist schon etwas mehr los und hier hätten wir eigentlich lieber gegessen, aber das haben wir vercheckt.

Seit wir Bert haben, betrachten wir viele (insbesondere Offroad-)Fahrzeuge mit dem Camper-Ausbau-Blick. So auch den fetten Brummer, der als nächstes am rechten Straßenrand steht. Eine Waffenhalterung auf dem Dach bräuchten wir jetzt nicht unbedingt, aber ansonsten bekommt das Gefährt von uns das Prädikat “Camper tauglich”. Der diensthabende Soldat, der zur Bewachung und Beantwortung von Fragen daneben steht, rät allerdings ab. Das Fahrzeug hat keine Klimaanlage und ist nicht sonderlich schnell. Letzteres wäre für uns kein Hindernis.

Es folgt noch ein wenig Logistik, das THW und ZMZ. Letzteres ist die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Was ich weiter oben nicht erwähnt habe: Wir sind übrigens auch deswegen hierher gefahren, weil die Fahrschul-Einheit der Bundeswehr aus Potsdam heute hier ist und den Besuchern die Möglichkeit bietet, eine Runde im Lkw zu drehen. Das Spielkind, mit dem ich das Bett teile, suchtet zuhause am Computer derzeit wieder SnowRunner, einen Truck Simulator, und will mal einen richtigen Lkw fahren. Nach ein wenig Überlegung stellen wir uns doch noch ungfähr eine Stunde lang in die Schlange, die jetzt natürlich noch länger ist als heute Morgen. Zeit und Gelegenheit für die Mücken auf dem Marinestützpunkt, meine Beine zu zerstechen.

Hier sind auch jede Menge Kinder, die ebenfalls mal fahren wollen. Das sieht ganz niedlich aus, wenn da Fünf- und Sechsjährige, die gar nicht wirklich über das Lenkrad gucken können, den Lkw steuern.

Unser Lkw kommt, wir klettern hinein. Die Soldatin, die mir beim Einsteigen beisteht, bewundert meine Tasche. Ich laufe mal wieder mit meinem Kinderüberraschungsturnbeutel rum.

Wir schnallen uns an und es geht los. Man sitzt schon recht komfortabel in einem modernen Lkw. Und auch hoch sitzen hat durchaus etwas für sich. Der Mann muss nicht viel machen außer gucken und lenken, Gas geben und bremsen, denn das Fahrzeug hat ein Automatikgetriebe. Es geht eine Runde über Straßen, auf denen keine oder nur wenige Besucher rumlaufen und dann zurück zum Ausgangspunkt.

Eigentlich habe ich jetzt genug. Ich muss ja auch noch nach Hause zurück radeln und bekanntlich bin ich nicht sonderlich belastbar.

Auf dem Weg zum Ausgang kommen wir bei einem Gebäude vorbei, in dem die Militärgeschichtliche Sammlung 1. Korvettengeschwader zu sehen ist. Die gucken wir uns auch noch an.

Im sogenannten „Glockenkabinett“ der Militärgeschichtlichen Sammlung des 1. Korvettengeschwaders werden alle 40 Schiffsglocken der außer Dienst gestellten Flugkörperschnellboote der Klassen 148, 143 und 143A der Bundesmarine aufbewahrt. (Quelle)

So, jetzt reicht es aber endgültig. Mit jeder Menge neuer Eindrücke und vier Mückenstichen im Gepäck fahren wir endlich zurück nach Hause. Langsam wird es auch richtig voll hier auf dem Gelände.

Ich weiß ja nicht, ob es die beste Idee ist, in der Hektik einer Hanse Sail neben der Fähre quer durch die Fahrrinne zu paddeln.

Mein Bedarf an Menschen ist vollständig gedeckt, die gehen mir nur noch auf die Nerven, weil überall welche sind. Wir fahren von der Fähre aus direkt nach Hause ohne Umweg am Eisstand oder sonstwo vorbei.

Zuhause checken wir die möglichen Termine für eine Tagesfahrt nach Helgoland mit der Elbe 1. Leider ist unser Wunschtermin schon ausgebucht. Meine E-Mail-Adresse ist jetzt im Verteiler für die Termine des nächsten Jahres. Ich war ja schon viel zu lange nicht mehr auf Helgoland.

Author

dark*

Immer gerne auf Tour, am liebsten im Norden

8. August 2026