· Radtouren

Radtour an den Rhein

Nachdem die Temperaturen in Deutschland endlich wieder auf ein halbwegs erträgliches Maß abgesunken sind, kann man auch endlich wieder so Dinge wie Fahrradtouren und ähnliches machen. Wobei die Temperaturen an diesem Sonntag ein ziemlich breites Spektrum zeigten. Morgens beim Frühstück waren es noch 8°C. Im Laufe des Tages sollte sich dies aber ändern.

8°C

Nach dem Frühstück machten wir uns fertig. Ich räumte noch ein wenig die Wohnung auf und ließ mir dabei Zeit, der Lebensabschnittsgefährte bereitete derweil die Fahrräder vor. Die konnten mal wieder ein wenig Luft in den Reifen vertragen und ein paar Schrauben mussten ebenfalls nachgezogen werden. Es war ja eh lausig kalt draußen, daher hatten wir es nicht sonderlich eilig. Und außerdem waren wir schon so lange nicht mehr mit den Rädern unterwegs, dass ich erstmal das nötige Equipment im Kopf sortieren musste, bevor ich alles zusammen hatte. Um 08:30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zu den Fahrrädern und fuhren los.

Das erste Stück fuhren wir immer nur geradeaus, die Eschollbrücker Straße aus Darmstadt heraus und dann immer weiter. Das war zwar etwas öde aber dafür war der Weg angenehm zu fahren, was ein nicht zu verachtender Vorteil war. Und allzu spannend ist es ohnehin nicht, durch das Ried zu fahren. Die Gegend ist einfach nur flach und wenig abwechslungsreich, ein paar nette kleine Dörfer, ansonsten nur Äcker.

Unseren ersten Stopp machten wir an einem Brunnen (dessen Namen ich bisher noch nicht herausgefunden habe). Hier füllten wir die erste Wasserflasche wieder auf. Die Temperaturen waren mittlerweile auf 18°C geklettert. Nach und nach wurde die Kleidung weniger und luftiger. Bevor es weiterging, machte der Lebensabschnittsgefährte noch Bilder von den Störchen, die einen der Äcker hier in großer Zahl abweideten.

In den trockenen Feldern waren jede Menge Hasen. Die sehe ich sonst eher selten, meistens tummel sich Kaninchen am Wegesrand. Einer der Hasen saß zunächst recht fotogen direkt neben dem Weg, aber als der Herr Lebensabschnittsgefährte endlich die Kamera zur Hand hatte, nahm er die Hinterläufe in die Hand und gab Fersengeld.

Feldhase

Langsam näherten wir uns dem Altrheinarm, der um den Kühkopf, über den wir letztes Jahr geradelt sind, herum fließt. Deutlich erkennbar war das an der plötzlichen Zunahme von Straßen (hier kreuzt u.a. die B44) und anderer Infrastruktur. Leider fuhren wir dieses Stück nach Gefühl statt nach Karte. An der Kreuzung der Straße rief der Herr Lebensabschnittsgefährte von hinten: "Links rum!", was ich natürlich brav tat. Und prompt waren wir falsch, nämlich Richtung Süden unterwegs.

Erst in Stockstadt bemerkte ich den Irrtum, weil die Wegweiser alle nicht zu dem passten, was ich erwartet hätte, wenn wir nach Plan gefahren wären. So mussten wir die Smartphones zu Rate ziehen und uns wieder auf den richtigen Pfad begeben. Irgendwann kamen wir dann endlich zumindest schonmal am Althreinarm an - zufällig an der Stelle, wo wir letztes Jahr einkehrten, um etwas zu essen.

Hier war tatsächlich nicht mehr viel Wasser, man konnte um den Brückenpfeiler herum laufen. Der Boden war voller Muscheln und Steine. Mir war übrigens lange nicht bewusst, dass es im Rhein so viele Muscheln gibt. Hier unten direkt am Wasser fand ich es eigentlich total schön. Es war so ruhig und friedlich hier. Wir beobachteten eine Weile die Fische, die man in Ufernähe fand, und die Enten auf der Seite gegenüber.

Wir setzten unseren Weg nach einem kurzen Stopp beim öffentlichen WC und einem Blick aufs Thermometer fort. Es war nun schon gut 10°C wärmer als zu dem Zeitpunkt unserer Abfahrt. Das ist schon ein ziemlicher Unterschied.

22,9°C

Ab jetzt wurde es etwas schwieriger, einen geeigneten Weg zu finden. Leider gibt es keinen Radweg, der komplett am Fluss entlang führt, sondern lediglich einen schmalen Wanderweg, der nur ein etwas breiterer Trampelpfad ist. Der erschien uns ungeeignet zum Radeln. Wir versuchten es an einem Feldweg, der zunächst noch ganz vielversprechend aussah, aber sich bald als ungeeignet für unsere Tourenräder herausstellte.

Feldweg

Wir akzeptierten die Sinnlosigkeit unseres Tuns und kehrten zurück zur offiziellen Radroute. Allerdings war die Beschaffenheit hier auch nicht besser, nur anders.

Radweg

Wir waren froh, als aus dem Weg wieder ein Schotter-Waldweg wurde, auf dem sich einigermaßen gut fahren ließ. Seit Island muss ich bei den Schotterwegen aber immer an die Radler dort denken, die trotz Wind und Regen über die teils echt schlechten Schotterpisten mit Gepäck beladen tapfer strampelten. Für mich wäre das nichts.

Wegweiser zur Schwedensäule

Die Schwedensäule wurde dem Herrn Lebensabschnittsgefährten von seiner GPS-App schon als sehenswerter Ort angepriesen. Wir hatten uns aber eigentlich schon damit abgefunden, dass diese nur für die Nutzer des Wanderwegs zugänglich sei. Den Wegweiser dorthin entdeckten wir eher zufällig und bogen dorthin ab.

Weg zur Schwedensäule

Der Weg dorthin war auch nicht gut befahrbar. Aber da die Säule am Ende schon zu erahnen war, war auch klar, dass es nur ein kurzes Stück sein wird.

Die Säule erinnert an den Schwedenkönig, der während des 30-jährigen Krieges an dieser Stelle den Rhein überquert und auf der anderen Seite die Spanier in die Flucht geschlagen hat. Jetzt steht sie hier auf einer hübschen Lichtung.

Als nächstes peilten wir die Stelle an, wo der Altrhein in den Rhein mündet. Der Weg dorthin war sicher auch nicht gerade das Beste, was Hessen im Radwegenetz zu bieten hat, aber dafür war er alternativlos. Unterwegs sprach uns ein entgegenkommender Radler an, dass auf dem Weg einige Baumkronen liegen würden, die schwer zu überwinden seien. Wir bedankten uns und radelten weiter. Wir wollten ja auf jeden Fall zum Wasser und die Hindernisse würden wir uns ansehen und dann entscheiden.

Waldweg

Und eins lässt sich ganz klar sagen: Es hat sich gelohnt! Hier am Rheinufer war es toll. Ich beneidete die Frau, die im Rhein schwamm und sich so abkühlte. Zu gerne wäre ich wenigstens mit den Füßen rein gegangen, aber blöderweise hatte ich kein Handtuch dabei. Und mit nassen Füßen, vom Sand frisch paniert, in die Turnschuhe schlüpfen, ist ja auch nicht das Wahre. Also ließ ich es sein und fühlte nur mit den Händen. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur.

Einen hübschen kleinen Flussbewohner fanden wir außerdem.

Mittlerweile näherten sich die Temperaturen der 30-Grad-Marke und wir hatten Hunger. Nur leider war hier weit und breit keine Möglichkeit, diesen zu stillen. Wir fuhren noch ein Stück den Rhein entlang bis zu einem weiteren Altrheinarm auf der Höhe von Leeheim. Auf dem Weg dorthin galt es allerdings einige Hindernisse zu überwinden. Den Radler hatte ich schon wieder völlig vergessen, weswegen ich ein wenig überrascht war, als der erste Baum quer über dem Weg lag. Beim Hinweisschild lachte ich noch: "Gefahr ist mein zweiter Vorname."

Achtung, Astbruch!

Beim Anblick der Baumkrone verging mir das allerdings. Wie sollten wir das denn schaffen? Vor allem ohne von diversen Spinnen, Grashüpfer und ähnlichen Gruseleien überfallen zu werden?

Ein entgegenkommender Radfahrer, der sein Fahrrad samt Fahrradtaschen ganz locker durchs Grünzeug schleppte, beruhigte uns noch, dass dies der schlimmste sei von allen Bäumen, die über dem Weg liegen. Das war für uns einer der Auslöser, unsere Fahrräder auch tatsächlich da durch zu tragen. Also der Herr Lebensabschnittsgefährte hat getragen, ich habe nur zugesehen und mich in Sicherheit gebracht. Der nächste Baum war dann auch wirklich einfacher zu überwinden, da konnte ich mein Rad selbst drüber tragen und brauchte nicht die Hilfe des Lebensabschnittsgefährten. Beim dritten Ast konnten wir über die Wiese um das Geäst herum fahren.

Auf dem ganzen Weg hingen so einige Äste nur noch am seidenen Faden. Bei Wind oder Regen würde ich diese Strecke auf gar keinen Fall fahren. Manche Äste scheinen auch tatsächlich schon abgebrochen zu sein und hängen nur noch an anderen Ästen und fallen beim ersten Windstoß herunter. Ich war ganz froh, dass sie an diesem Nachmittag oben hängen blieben. Am Ende des Weges kam der Abzweig nach Leeheim, der über den Altrheinarm führte. Diesen überquerten wir. Auch hier war natürlich kaum Wasser vorhanden.

Mitendrin standen einige Enten missmutig auf dem Treibgut herum.

Wir ließen den Wald hinter uns und kamen an der Messstelle für Weltraumfunkdienste der Bundesnetzagentur vorbei. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. Entsprechend überrascht war ich, hier plötzlich vor riesigen Satellitenschüsseln zu stehen. Diese sind gut abgesichert durch Tore, wie man auf dem dritten Bild erkennen kann.

Mittlerweile hatten wir echt Hunger und eine Abkühlung konnte auch nicht schaden. Vor uns lag eine Strecke ohne Schatten. Um so überraschter waren wir, dass am ersten Haus nach den Feldern eine Langnese-Fahne einladend wehte. Wir hielten an und kehrten ein. Wir befanden uns im Garten eines Wohnhauses, in dem ein paar Hühner und Laufenten wohnten und ein paar Biergartentische sowie ein Holzgartenhäuschen als Verkaufsstand standen. Das war total urig!

Der Bauer aus der Nachbarschaft kam hier mit dem Trecker vorbei und setzte sich an den Stammtisch, an dem schon drei oder vier Leute saßen und Bier tranken. Wir begnügten uns mit einer Brezn und einem Eis. An beidem waren die Hühner des Hauses höchst interessiert.

Das weiße Huhn war der Brüller. Nachdem es vom Eis ein paar Krümel von der Waffel bekommen hatte, legte es sich neben mich unter den Tisch.

Huhn

Als wir dann später die Brezn aßen, sprang es sogar hoch für ein Stück Brezn.

Huhn

Am Trecker bemerkte ich beim Gehen noch ein witziges Detail: Ein Stofftier fuhr mit.

Trecker mit Stofftier

Von hier bis nach Griesheim war die Strecke immer geradeaus an der B26 entlang. Abwechslung bot nur der Weg durch Leeheim und Wolfskehlen, wo wir noch eine Baustelle umfahren mussten. Ein Einheimischer wies uns den Weg, wovon wir alters- und dialektbedingt aber nur die Hälfte verstanden. Wir schafften es aber dennoch ohne Probleme.

Immer geradeaus

In Griesheim gibt es eine Straßenbahnlinie, die bis zu uns nach Hause fährt. Mir tat mittlerweile mein Knie furchtbar weh und die Sonne überhaupt nicht mehr gut, so dass wir beschlossen, das letzte Stück mit der Bahn zu fahren. An der Bahnhaltestelle holte wir uns am Kiosk nochmal ein Eis, das wir nach der Tour durch die Sonne auch dringend benötigten.

Nach ein paar Minuten kam die Tram und wir fuhren heim. Zwar ist die Haltestelle dieser Linie noch knapp 1 km von unserer Wohnung entfernt, aber da geht es nur bergab, ich musste den ganzen Weg nicht einmal in die Pedale treten. so mag ich radeln ja. ;)