Travel-Office und Industriekultur

Unser Frühjahrsurlaub führt uns diesmal nach Frankreich. Und wie so oft, wenn wir nach Westen oder Süden unterwegs sind, verbinden wir das mit Bürobesuchen. Der Hinweg geht daher durchs Ruhrgebiet, wir besichtigen das Industrie-Museum Henrichshütte, eine ehemalige Stahlhütte in Hattingen, und anschließend habe ich einen Termin in Krefeld. Den letzten Tag im mobilen Office verbringen wir auf dem Wohnmobilstellplatz in Wachtendonk

Tag 1 - Autobahn fahren und Stau stehen

Samstag, 26. April 2025

Um 9 Uhr sind wir losgefahren. Nach einem Zwischenstop in Bad Oldesloe, wo wir bei Obi eine Plane gekauft haben, halten wir erneut um 13 Uhr in Hollenstedt, knapp 220 Kilometer von Zuhause entfernt. Die meiste Zeit davon haben wir in und um Hamburg im Stau gestanden. Jetzt haben wir Hunger, wir müssen tanken und außerdem müsste die Frontscheibe mal geputzt werden.

Eigentlich wollten wir ja vor Fahrtantritt noch das Auto waschen, was wir insgesamt eher selten machen, aber die Karre ist ziemlich dreckig. Aber die Waschstraßen in Rostock, die sonst auch sonntags geöffnet haben, hatten die kompletten Ostertage geschlossen. Nach Ostern hatte ich keine Lust mehr. Also sind wir dreckig unterwegs. Aber ich muss wenigstens mal die Frontscheibe reinigen. An der Tanke hier gibt es sogar so einen quietschgelben Insektenschwamm zur freien Benutzung, das kommt auch eher selten vor.

Nach dem Tanken gönnen wir uns eine Leberkassemmel und einen Hamburger vom Tank-Shop. Wir essen im Stehen, benutzen die Motorhaube als Tisch. Ich schmeiße die Tüte von meiner Leberkassemmel weg und putze die Scheiben vom Camper, bis der Herr Lebensabschnittsgefährte seinen Burger gegessen hat. “Wo ist denn die Tankquittung?”, fragt er mich. Oh Fuck, die habe ich mit der Tüte zusammen weggeworfen. Na toll, dann darf ich jetzt auch noch im Müll wühlen. Immerhin ist es noch nicht lange her und es hat sonst noch niemand etwas weggeworfen, meine Tüte liegt noch oben drauf und die Quittung ist zu sehen. Ich fische sie aus dem Mülleimer

Wir setzen unsere Fahrt auf der A1 fort. Der Verkehr ist mittlerweile recht chillig, bis Münster kommen wir ganz gut durch. Aber ich bin schon wieder so unfassbar müde und erschöpft. Ich sacke immer mehr zusammen in meinem Sitz. Eigentlich hatten wir vor, bis Hattingen durchzufahren, da wir dort morgen ein Industriemuseum besuchen wollen. Aber so lange halte ich nicht mehr durch. Wir suchen uns einen Stellplatz und finden diesen in Dülmen.

Mitten im Ort, zwischen einer Tankstelle und einem Kinderspielplatz mit schattenspendenden Bäumen gibt es einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz. Dort stellen wir uns hin. Ein paar Leute, die dort mit ihren Campern stehen, sitzen am Picknicktisch, der ebenfalls zum Platz gehört. Eine Camperin kommt zu uns, lädt uns ein, uns dazu zu gesellen, aber wir haben keine Lust. Wir sind fertig mit dem Tag und wollen nur noch Ruhe und Füße hochlegen.

Abends schließt die Tankstelle und es wird ruhig. Wir haben die Nacht dort gut geschlafen.

Tag 2 - LWL-Museum Henrichshütte

Sonntag, 27. April 2025

Wir haben gut geschlafen, die Nacht war ruhig. Um 10 Uhr öffnet das Museum erst, so dass wir uns mit dem Frühstück Zeit lassen können. Gegen halb Zehn geht es dann los. Ein kleines Stück Autobahn müssen wir noch fahren.

Es ist gut, so früh da zu sein. Es ist noch nicht so viel los und es ist noch nicht so warm. Gut zwei Stunden haben wir uns in dem Museum aufgehalten. Der Eintritt kostet 5 Euro pro Person, was wirklich nicht viel ist. Es gibt ziemlich viel im Außenbereich zu sehen. Außerdem ist einer der drei Hochöfen erhalten. Normalerweise kann man auf den Turm hinauf steigen, aber der ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. In einer Halle sind dann noch allerlei Maschinen ausgestellt. Ich kann gar nicht alles wiedergeben, was wir dort gesehen haben. Ein Besuch lohnt sich unbedingt!

Eingang Henrichshütte

Leider ist während des Besuchs dort das Standard-Objektiv meiner Kamera kaputt gegangen. Aber da wir ohnehin fast alles doppelt knipsen, ein Bild von mir und eines vom Herrn Lebensabschnittsgefährten, und außerdem mein Smartphone eine ganz gute Kamera hat, ist das nur halb so dramatisch. Ich habe einfach mit dem Handy weitergeknipst. Die Bilder, die jetzt folgen, sind - wie so oft in meinem Blog - eine Mischung meiner Photos und der vom Mann.

Ich kann das gar nicht alles beschreiben, was wir da gesehen haben. Wir knipsen meist auch Schilder von Ausstellungsstücken, um die Teile später noch benennen zu können. Aber wie das alles funktionierte? Puh.

Die Stahlkocher sahen in ihren Schutzanzügen aus wie eine Boyband. Aber sonderlich vergnüglich war es wohl am Arbeitsplatz nicht, heiß und stickig, schlechte Luft und ziemlich gefährlich war es wohl auch.

In dem LD-Konverter wurde 80 % Roheisen mit 20 % Kühlschrott vermischt und nach 40 Minuten aufblasen mit reinem Sauerstoff hatte man 150 Tonnen 1700 Grad heißen Stahl zur Weiterverarbeitung.

Wir besichtigen weitere Außenanlagen, die Bunker, in denen das Rohmaterial gelagert wurde und die Bandstraße, mit der das Zeug von A nach B transportiert wurde.

Anschließend gehen wir in die Halle, in der verschiedene Erze ausgestellt sind. Darunter ein Stück Himmelseisen vom Gibeon-Meteroit, 4,5 Milliarden Jahre alt. Der Meteorit stammt aus einem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und fiel vor 30.000 bis 50.000 in Namibia auf die Erde.

Ich stehe hier vor einem Teil aus dem Weltall, das 4,5 Milliarden Jahre alt ist. Eine unvorstellbare Zeitspanne.

Wir sind immer noch auf dem weitläufigen Außengelände unterwegs.

1987 wurde die Stilllegung der Henrichshütte beschlossen. 1989, zwei Jahre nach dem letzten Abstich, wurde Hochofen 2 demontiert. Zusammen mit vielen anderen Teilen aus der Henrichshütte wurde Hochofen 2 von 120 chinesischen Ingenieuren und Fachbarbeitern demontiert und verrichtet jetzt seinen Dienst irgendwo in Süd-China. An einigen Exponate sieht man daher immer noch “Nicht für China”-Aufkleber.

Dies ist nur eine kleine Auswahl der vielen Photos und Eindrücke, die wir während unserer dreistündigen Tour durch die Henrichshütte gesammelt haben. Auch wenn der Hochofen-Turm derzeit gesperrt ist, lohnt sich der Besuch unbedingt!

Mittagessen und weiter fahren

Auf dem Parkplatz der Henrichshütte packen wir erst einmal unseren Gaskocher aus und machen uns ein Mittagessen. Für solche Tage sind Hot-Dogs oft das Menü der Wahl.

Nach dem Essen setzen wir unsere Reise fort. Bis nach Krefeld fahren wir heute. In Krefeld Linn gibt es einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz, da wollen wir hin.

Spaziergang in Krefeld Linn

Im Auto ist es zu warm, wir drehen noch eine Runde durch Linn. Ich habe zwar 20 Jahre in Krefeld gewohnt, aber in Linn war ich erinnerlich noch nie.

Eigentlich wollten wir auch zur Eisdiele, aber da war so eine lange Schlange davor, dass uns die Lust auf Eis vergangen ist. Also sind wir nur noch ein wenig durch die engen Straßen gelaufen und dann zurück zum Camper gegangen.

Tag 3 - Travel-Office in Linn

Montag, 28. April 2025

Meinen Kaffee trinke ich heute Morgen aus meiner Neuerwerbung, die ich mir gestern in der Henrichshütte gekauft habe. Ich habe jetzt meinen eigenen Ruhrpott. Glück auf!

In der Nacht waren Güterzüge ohne Ende unterwegs. Ich habe kaum geschlafen. Der Herr Lebensabschnittsgefährte geht daher alleine spazieren, ich habe keine Lust, den Camper zu verlassen.

Am späten Vormittag kommt die Sonne rum, der Mann stellt das Solarpanel raus, um unsere Batterie aufzuladen.

Spaziergang um die Burg Linn

Nach Feierabend machen wir einen Spaziergang rund um die Burg Linn.

Ich hatte nie zuvor ein Nest von Blesshühner gesehen. Die sind ja ultra-niedlich dabei zu beobachten. Die Küken stehen in einer Warteschlage im Nest. Das Küken, das vorne steht, wird vom Elterntier gefüttert und stellt sich dann wieder hinten in der Warteschlange an.

Rund um die Burg führt der Wassergraben. Die Vögel dort sind deutlich weniger scheu als die Wasservögel in Rostock, die alle eine größere Fluchtdistanz haben.

Die Eisdiele hat montags Ruhetag, daher gibt es auch heute wieder kein Eis. Wir schlendern zurück zum Camper. Immerhin gibt es kalte Getränke dank unserer Kühlbox.

Tag 4 - Bürobesuch und Stadtbummel

Dienstag, 29. April 2025

Auch die zweite Nacht in Krefeld Linn war schlaflos. Es gibt Schienenersatzverkehr und die Bushaltestelle war quasi direkt neben unserem Camper. Ständig kamen Leute vom Bahnhof mit ihren Rollkoffern angelaufen. Natürlich unterhalten sich die Menschen auch miteinander. Wenn sie dann endlich in den Bus eingestiegen sind, wird der laute Dieselmotor angeworfen und endlich losgefahren. Dann herrschte wieder ein wenig Ruhe. Bis der nächste Zug kam.

Das sind die besten Voraussetzungen für meinen Termin heute in der Krefelder Innenstadt. Aufgrund der Parklatzsituation haben wir uns gestern dafür entschieden, dass ich mit der Bahn in die Stadt fahre. Ich bin schon ewig nicht mehr mit einem öffentlichen Verkehrsmittel gefahren (außer Fähren). Glücklicherweise ist in der Bahn nichts los.

Zuerst muss ich mir Turnschuhe kaufen, gestern ist einer meiner Schuhe kaputt gegangen. Dabei sind die doch erst 13 Jahre alt. Seufz. Schuhe kaufen ist für mich stets ein schwieriges Unterfangen. Alle sind unbequem und kaum welche gefallen mir. Aber da muss ich jetzt durch. Ich entscheide mich für ein preisgünstiges Hausmarken-Modell, das einigermaßen sitzt und optisch okay ist. Zur Belohnung gönne ich mir ein Käsebrötchen vom Biobäcker, bei dem ich früher schon gerne einkaufen war.

Mein Bedarf an Stadtleben ist jetzt wieder für Monate gedeckt. Ich gehe zu meinem Termin. Zwei Stunden Gelaber zu zweit, zwei Stunden Gelaber zu dritt. Mein Bedarf an Sozialkontakten ist ebenfalls für Monate gedeckt.

Ich bin mit dem Herrn Lebensabschnittsgefährten auf dem Lidl-Parkplatz an der Girmesgath verabredet. Dort wartet in der Packstation ein Tragegurt für des Mannes Kamera auf uns. Da gehe ich zu Fuß hin. Auf dem Weg gibt es ein Einkaufszentrum, das da bei meinem letzten Aufenthalt in der Krefelder Innenstadt noch nicht stand. Ich gehe sogar an meiner früheren Wohnung vorbei. Da sieht noch alles so aus, wie es während meiner Zeit dort aussah.

Während ich durch meine frühere Heimat laufe, gehen mir zwei Gedanken durch den Kopf: 1. Hoffentlich läuft oder sitzt hier nirgendwo jemand rum, den ich von früher noch kenne und der mich erkennt. Und 2. Also nee, Krefeld geht gar nicht. In den 20 Jahren, die ich hier gewohnt habe, drehten sich meine Gedanken überwiegend darum, wie ich hier wieder wegkomme. Ich vermisse nichts. Ein oder zwei Leute vielleicht aber sonst nichts.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte ist schon da, das Paket ist schnell aus der Packstation geholt und der Inhalt kontrolliert. Alles bestens.

Tschüss Krefeld, das war’s für heute, bis zum nächsten Mal!

Wir fahren zu einem Wohnmobilstellplatz in Wachtendonk. Der Herr Lebensabschnittsgefährte muss morgen noch einmal arbeiten, da bevorzugen wir ein ruhiges Plätzchen mit Strom.

Der Platz macht einen guten erste Eindruck. In der Ferne hört man zwar die Autobahn aber nur als leises Hintergrundrauschen. Ich hoffe, dass ich heute Nacht mal wieder gut schlafen kann.

Tag 5 - Travel-Office in Wachtendonk

Mittwoch, 30. April 2025

Himmlische Ruhe, ich habe wunderbar geschlafen. Trotzdem schmeiße ich den Herrn Lebensabschnittsgefährten für seinen Morgenspaziergang aus dem Camper, damit ich mich in Ruhe fertig machen kann.

Orientierungsloses Einkaufen

Ich muss einkaufen. Der direkte Weg zum Geschäft ist ungefähr einen Kilometer lang. Wer mich und meinen Orientierungssinn kennt weiß, das haut bei mir nicht hin.

Bei all den krummen Altstadtgassen verlaufe ich mich auch tatsächlich. Aber schlimm finde ich das nicht, denn es ist ziemlich hübsch hier.

Der Edeka, in dem ich einkaufe, ist ziemlich klein und ziemlich vollgestopft. Aber er hat alles, was man braucht, auch wenn ich eine Weile rumsuchen musste, bis ich alles hatte.

Auf dem Rückweg bin ich eine andere Strecke gelaufen. Ich komme bei der Freiwilligen Feuerwehr vorbei und bei einer Mitfahrerbank. Wobei man diese eigentlich gar nicht sehen kann, wenn man mit dem Auto angefahren kommt, denn die steht hinter einem Stromkasten versteckt.

Kurz vor einem Kreisverkehr gucke ich auf die Navigation meines Smartphones, um mich zu orientieren. Als ich hochgucke und auf einen Kreisverkehr zulaufe, fährt ein Fahrzeug unmittelbar vor mir über den Zebrastreifen, es hätte sonst eine Vollbremsung machen müssen.

Ich finde das eigentlich in Ordnung und nicht weiter erwähnenswert, ich war ja schließlich komplett unaufmerksam. Und ich hätte es hier gar nicht erwähnt, würde ich nicht kurz darauf an eben diesem nun parkenden Auto vorbeilaufen. Die Fahrerin steigt gerade aus und kommt zu mir gelaufen, um sich bei mir zu entschuldigen.

Sie hätte das falsch eingeschätzt. Sie hätte mich zwar vorher gesehen, aber weil ich stehengeblieben war und auf mein Handy guckte, ist sie davon ausgegangen, dass ich nicht sofort die Straße überqueren wollte. Zurecht, wie ich finde.

Ich finde es echt nett, dass sie mich nochmal anspricht. Ich finde aber nicht, dass sie sich entschuldigen muss, aber dennoch ist es nett, das zu klären.

Stellplatzgeschichten

Gestern Abend kurz vor 10 kam hier einer auf den Platz gefahren, stellte sich mittenrein und ist so stehen geblieben. Jetzt geht die Dusche und das Abwasser läuft einfach raus auf den Platz, was nicht so dolle ist (um das mal nett zu formulieren). Nach dem Frühstück ist der Camper wieder abgenauen. Die Vertrauenskasse hat er vermutlich gar nicht wahrgenommen.

Jetzt kommt hier gerade einer auf den Wohnmobilstellplatz gefahren. Mit einem Wahnsinnstempo heizt er über den Schotterplatz, bleibt kurz neben uns stehen und macht die Fahrertür auf. Es dröhnt laute Heavy-Metal-Musik aus dem Auto. Er guckt er irgendwas an der Stromsäule, dann steigt wieder ein und fährt zu Ent- und Versorgungsplatz. Da fährt da mit dem Wohnmobil drauf und wäscht sein Auto. Und alles mit lauter Musik. Bumm! Bumm! Bumm! Bumm! Jetzt steht er noch über dem Entsorgungs-Ding. Krefelder Kennzeichen übrigens. Ich weiß schon, warum ich da weg wollte.

Nachmittagsspaziergang

Feierabend, Wochenende, Urlaub!

Wir beschließen, eine weitere Nacht hierzubleiben und morgen früh ganz entspannt Richtung Frankreich zu fahren. Und damit der Herr Lebensabschnittsgefährte auch noch ein wenig Bewegung bekommt und wir uns außerdem endlich ein Eis holen können, machen wir uns noch einmal auf den Weg.

Erst bummeln wir durch die Altstadt.

Nach dem Eis, das wir leider nicht geknipst haben, gehen wir noch zur Burg Wachtendonk. Wobei Burg ein wenig übertrieben ist, die gibt es nämlich nicht mehr. Aber auf dem Boden sind die Fundamente freigelegt und zum Teil wieder aufgebaut worden.

Für heute reicht’s. Wir gehen zurück zum Stellplatz und legen im Camper die Füße hoch. Morgen fahren wir nach Frankreich. Ich bin schon etwas aufgeregt, ich war noch nie in Frankreich.

Statistik

655 Kilometer sind wir in diesen Tagen gefahren. Am 28. und 30. April sind wir gar nicht gefahren bzw. war ich mit der Straßenbahn unterwegs.

Drei Rastplätze haben wir unterwegs aufgesucht und ich habe die Schilder für meine Galerie geknipst.

Karte

Auf der Karte sieht der erste Teil der Reise so aus (zugegeben noch etwas langweilig):