Reiseabbruch und Heimfahrt
Der letzte Teil unserer Frankreich-Reise 2025 ist fertig: Wir treffen die schwere Entscheidung, die Reise abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Als letzten Sehenswürdigkeiten-Punkt fahren wir durch den Ort mit dem kürzesten Ortsnamen Europas. In insgesamt vier Etappen fahren wir zurück nach Rostock.
Tag 12 - Schwere Entscheidung
Mittwoch, 7. Mai 2025
Selten habe ich im Urlaub so wenig Lust wie heute, das Bett zu verlassen. Aber nützt ja nix, wir müssen zur Werkstatt. Die ist in Saint-Solen.
- Saint-Solen
- Fehlercodes
Die Sprachbarriere macht die Sache etwas schwierig. Der Mensch, mit dem wir da sprechen, redet unaufhörlich auf Französisch auf uns ein. Selbst die Übersetzungs-App kommt da kaum mit. Hinzu kommt, dass die ständig Wörter aus dem Radio, das im Hintergrund läuft, aufschnappt und übersetzt. Auf jeden Fall haben wir verstanden, dass er den Luftmassenmesser würde tauschen wollen, hat ihn aber nicht da und es würde bis Montag dauern, bis das Ersatzteil vor Ort ist. Morgen ist nämlich der 8. Mai, der Tag der Befreiung und das ist in Frankreich ein Feiertag.
Tja. Was tun? Wir sitzen noch eine ganze Weile auf dem Parkplatz der Werkstatt im Auto und gehen die Möglichkeiten durch. Eigentlich haben wir wenig Lust, bis Montag hier in der Gegend abzuhängen. Es ist zwar ganz schön hier, aber wir wollten doch eine Rundreise machen. Die Zeit würde uns dann nachher fehlen. Aber einfach weiterfahren mit einem kaputten Auto scheint uns auch keine Option. Es gibt einen Leistungsverlust, der für sich alleine ja schon ein Problem ist. Und beim letzten Mal, als derselbe Fehler auftrat, fand auch keine Abgasreinigung mehr statt. Und dann bleibt das Auto irgendwann stehen. Das klingt auch nicht gerade nach einem verlockenden Urlaubsende. Hinzu kommt, dass ein Urlaub, der jeden Morgen mit der Unsicherheit beginnt, wie lange das Auto noch durchhält, auch nicht so toll ist.
So entscheiden wir uns schweren Herzens, den Urlaub abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Tiefes Seufzen.
Es ist still während der Fahrt. Ich habe weder Lust zu knipsen noch zu filmen. Nur das Maut-Schild auf der Autobahn knipse ich. Die Maut muss man innerhalb von 72 Stunden auf der Webseite bezahlen. Sonst wird es wohl richtig teuer mit Gebühren und so.
- Maut-Schild
Wir fahren bis Quetteville. Das ist ein kleiner Ort kurz vor Le Havre. Dort übernachten wir auf einem Parkplatz.
Tag 13 - Durch Y und Belgien
Donnerstag, 8. Mai 2025
Der Ort hier ist ganz niedlich und wir haben eine ruhige Nacht verbracht. Einwohner haben wir - bis auf zwei Kinder, die gestern Abend Basketball auf dem Platz hier gespielt haben, - keine gesehen. Die Kirchturmglocken haben mich heute Morgen geweckt.
- Stellplatz
- Telephonzelle
Mittlerweile habe ich mich in der neuen Situation einigermaßen eingelebt. Die Stimmung ist nicht mehr so bedrückt wie gestern. Auch wenn ich es nach wie vor sehr schade finde, dass mein erster Frankreich-Aufenthalt so blöde endet. Wie auch immer, wir nehmen jedenfalls die Autobahn und fahren durch Le Havre und dort über die Pont de Normandie.
- Pont de Normandie
- Auf der Brücke
- Die Seine
- Mautstelle
- Viaduc du grand canal du Havre
- Spiral-Dingse
Wir fahren über die Autobahn Richtung Westen. Das Navi hat die Anweisung, uns auf dem schnellsten Weg nach Rostock zu bringen.
- A29
- Rastplatz
An einem Rastplatz machen wir Halt. Meine Galerie will schließlich auch in Zeiten von Trübsal gefüllt werden. Außerdem wechseln wir uns mit dem Fahren ab und Mittagessen gibt’s auch noch.
Nach dem Mittagessen stellen wir fest, dass die Motorkontrollleuchte aus ist. Wir kommen uns ein wenig verscheißert vor. Wir bleiben allerdings dabei, dass wir nach Hause fahren, denn die Motorleistung ist noch nicht wieder voll da. Und Lust auf weitere Werkstattabenteuer haben wir ebensowenig wie Vertrauen in das Fahrzeug.
- Wegweiser nach Y
- Ortseingangsschild Y
Einen kurzen Abstecher machen wir aber noch. Nicht weit von der Autobahn entfernt liegt der kleine Ort Y. Laut Wikipedia ist das der Ort in Europa mit dem kürzesten Ortsnamen. Die Partnerstadt von Y ist übrigens Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch, dem Ort mit dem längsten Namen in Europa. Da muss ich auch noch hin, aber nicht heute.
Einschub für alle Skandinavien-Fans: Die zahlreichen Orte mit Namen Å, die die skandinavischen Länder zu bieten haben, bestehen genaugenommen aus zwei Buchstaben. Ursprünglich wurde ein kleines A über ein A geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich dabei um ein langes A handelt. Daraus wurde irgendwann der Ringakzent. Umschrieben wird Å in der Regel mit Aa. Im Norwegischen wird das Å eher wie ein O ausgesprochen und ist der letzte Buchstabe im Alphabet, das dementsprechen nicht A - Z, sondern A - Å heißt. Wie das in den anderen Sprachen ist, weiß ich nicht.
Bevor wir die belgische Grenze passieren, muss ich unbedingt erwähnen, wie unheimlich Grün es in Frankreich ist. Ich finde es richtig schön. Und ich würde gerne irgendwann wiederkommen und unsere Frankreich-Reise fortsetzen. Mir hat es bisher sehr gut gefallen und ich will unbedingt die Atlantikküste, die Pyrenäen, die Côte d’Azur und noch einiges anderes sehen!
- Ankündigung belgische Grenze
- Am Grenzübergang wartende Lkw
Aber genug der Gefühlsduselei, wir sind in Belgien, einem Land, zu dem ich irgendwie gar keine Emotionen habe. Das, was wir bei der Durchreise sehen, gefällt mir nicht sonderlich. Allerdings sind wir auf der Autobahn unterwegs, das ist vermutlich nicht das Maß der Dinge. Was ich hier sehe, die Straßen selbst und auch vieles rechts und links der Autobahn, sieht ein wenig runtergerockt aus. Belgien könnte mal einen Neuanstrich vertragen, würde ich zusammenfassend sagen.
- Bushaltestelle
- Stellplatz
Beispielhaft für meinen Eindruck von Belgien ist die Bushaltestelle in der Nähe unseres Stellplatzes. Ein Stück Wiese neben einem asphaltierten Feldweg ist unser Platz für die Nacht.
Immerhin ist der Sonnenuntergang ganz hübsch.
- Kurz vor Sonnenuntergang
- Gleich ist sie weg
Tag 14 - Zurück in Deutschland
Freitag, 9. Mai 2025
Der Schlaf war ganz okay, die nicht allzu ferne Straße war nur als leises Hintergrundrauschen zu hören. Gegen 9 Uhr machen wir uns auf den Weg. In einem nahegelegenen Supermarkt kaufen wir noch ein paar Dinge ein, Äpfel, Brot, Schokolade, Salat, sowas halt.
Gegen 11 Uhr passieren wir die deutsche Grenze. Ein verhaltenes Juhu.
- Deutsche Grenze
- Elsbeere 2011
Entlang der A4 stehen Schilder mit Namen von Bäumen und Jahreszahlen. Der Mann auf dem Beifahrersitz recherchiert und findet heraus, dass dies die Allee der Bäume des Jahres ist. Eine schöne Idee, wie ich finde.
- Skyline Köln
- Rheinbrücke Leverkusen
- Verträumter Beifahrer
In Leverkusen fahre ich zum ersten Mal über die neue Rheinbrücke. Bei der alten Brücke war mir gar nicht mehr wohl. Wer fährt schon gerne über eine marode Brücke auf einer vielbefahrenen Autobahn über einen vielbefahrenen Fluss. Der Verkehr musste mit Höhenbegrenzungen, Kameras und Schranken reduziert werden, weil zahlreiche Lkw-Fahrer nicht einsehen wollen, dass ihre schweren Fahrzeuge diese Brücke nicht mehr nutzen sollten, und zahlreiche Pkw-Fahrer wie so oft der Meinung waren, die Geschindigkeitsbegrenzungen seien lediglich Handlungsempfehlungen.
In Burscheid auf einem schattigen Parkplatz machen wir Halt für die Mittagspause - fernab vom Lärm der Autobahn.
- Parkplatz für die Mittagspause
- A1-Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal
- Rastplatz Stettin
Die Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal hat noch nicht einmal einen Namen. Allerdings lohnt sich das Lamentieren darüber jetzt auch nicht mehr, die wird nämlich ebenfalls demnächst erneuert. Noch ein Rastplatz für meine Galerie, dann ist der Photo-Tag für heute zuende.
Ich bin müde, habe auf dem Rest der Strecke gar nicht mehr geknipst. Wir fahren bis Bad Eilsen, dort ist ein Wohnmobilstellplatz direkt an der Bückeburger Aue. Das sorgt für einen Ohrwurm: Straight Outta Bückeburg von Die Ärzte.
Tag 15 - Die letzte Etappe
Samstag, 10. Mai 2025
Etwas wehmütig begehe ich den letzten Morgen im Camper. Ich schlafe gerne in unserem Camper, ich finde das extrem gemütlich.
Und während ich langsam wach werde und mich dann auch fertig mache, ist der Herr Lebensabschnittsgefährte mal eben aus dem Auto gesprungen und hat selbiges zerlegt. Er hat den Luftmassenmesser ausgebaut, um ihn sich anzugucken.
Ogottogottogott. Mir wird da gleich ganz anders, weil ich ein Mensch bin, der so ziemlich alles zerlegen aber die meisten Sachen leider nicht wieder korrekt zusammenbauen kann. Ein paar Teile bleiben meist übrig. Ich glaube nicht, dass es von der ADAC-Mitgliedschaft abgedeckt ist, das Auto zu reparieren, wenn man es selbst zerlegt hat.
Aber meine Sorge ist unbegründet. Es müssen lediglich zwei Schrauben gelöst werden, dann hat er das ölverschmierte Ding in der Hand, hat es geknipst und gefilmt und wieder eingebaut. Hätten wir das Ersatzteil gehabt, wäre es eine Sache von zwei Minuten gewesen. Als die Werkstatt das vor zwei Jahren gemacht hat, haben wir dafür 350 Euro bezahlt, der Sensor selbst kostet knapp 25 Euro plus Steuern.
- Luftmassenmesser
- Stellplatz
Wie auch immer. Wir fahren los. Bis Hannover bleiben wir auf der A2, dann fahren wir über Bundesstraßen weiter.
- B 191
- Elbbrücke
- Falafel mit Pommes
In Neu Kaliß bei Fatih Döner gibt’s erstmal Mittagessen. Der Mann nimmt Lahmacun, ich Falafel. Sehr lecker, sehr frisch.
- Plater Berg
- Restreichweite 99 km
- Quellental
Auf den letzten Metern knipse ich noch zwei Rastplätze. Und die Restreichweite des Autos. Wie man sieht, leuchtet auch die Kontrollleuchte mittlerweile wieder. Ich weiß schon gar nicht mehr, seit wann sie das tut. Und es ist mir mittlerweile auch egal, wir sind eh gleich zuhause.
- Ortseingang Rostock
- Brücke mit dem Greif
Meist kann ich mich nicht entscheiden, ob ich die Ortseingangsbrücke oder die Greifbrücke im Blog haben will. Und jedes Mal ärgere ich mich, dass die Ortseingangsschilder nicht an der Brücke mit dem Greif stehen, das wäre doch viel passender.
Nun denn. Wir sind da, frustriert und mit Ausladen und Auspacken beschäftigt.
Statistik
1514 Kilometer weit war der Weg nach Hause. Die Kartenansicht ist am Ende des Beitrags.
- 256 km am 07.05.2025
- 494 km am 08.05.2025
- 396 km am 09.05.2025
- 368 km am 10.05.2025
Karte
Auf der Karte sieht der Trip nach Hause so aus:
Video
Ein Video zum Beitrag ist auch noch in Bearbeitung und wird hier zeitnah veröffentlicht.
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