Kriegsdenkmäler, Werkstattbesuch und Mont-Saint-Michel

Wir besuchen drei der Strände in der Normandie, an denen die Alliierten 1944 gelandet sind, wir schauen uns Mont-Saint-Michel und das Gezeitenkraftwerk de la Rance an. Und wir haben schon wieder Probleme mit dem Auto.

Tag 9 - Kriegserinnerungen und ein alter Bekannter, der uns die Urlaubsstimmung versaut

Sonntag, 4. Mai 2025

Der Platz hier in Norville ist nichts Besonderes, aber wir haben eine ruhige und angenehme Nacht verbracht.

Heute wollen wir zu einem der Strände fahren, an dem die alliierten Truppen 1944 gelandet sind, um die Nazis zum Teufel zu jagen. Zuerst müssen wir aber über den Fluss. Hier in der Nähe geht eine Fähre über die Seine. Theoretisch.

Praktisch fährt sie heute nicht. Die Fähre ist wohl bei der Wartung. Ich war gestern noch auf der Webseite des Anbieters. Einen Fahrplan habe ich zwar gefunden, aber einen Hinweis, dass die heute nicht fährt, leider nicht. Wir müssen uns vom Navi leiten lassen und überqueren die Seine auf der Pont de Brotonne.

Nach unendlich viel rumgegurke sind wir nach 1,5 Stunden und 60 Kilometern Fahrt ungefähr da, wo wir angekommen wären, wenn wir mit der Fähre gefahren wären. Jetzt haben wir gefühlt nur noch die Wahl zwischen einem Stück Autobahn und Feldwegen und entscheiden uns für Autobahn.

Der Straßenverkehr in Frankreich basiert teilweise auf dem Prinzip Hoffnung. Man hofft die ganze Zeit, dass einem auf engen Straßen keiner entgegen kommt. Es existieren überhaupt keine Ausweichstellen und an Kreuzungen sieht man gar nicht, ob jemand von rechts oder links kommt. Sehr spaßig.

Die Motorkontrollleuchte geht an und die Stimmung den Bach runter.

Wir machen eine kurze Pause, lesen den Fehler aus und löschen ihn. Damit haben wir ja schon Erfahrung. Der Fehler ist ein alter Bekannter. Das Auto war fast fünf Monate kaputt und acht Wochen in der Werkstatt, diverse Sensoren und Zeug wurde getauscht. Seither lief das Auto ganz gut - bis vorhin die Motorkontrollleuchte anging.

Die Stimmung ist wirklich im Keller. Wenn die Motorkontrollleuchte nun wieder angeht, wovon wir ausgehen, werden wir hier mal in eine Fordwerkstatt fahren. Vielleicht haben die ja eine Idee.

Jetzt fahren wir aber erstmal weiter an Rapsfeldern mit Blick aufs Meer vorbei bis zum British Normandy Memorial.

Einmal komplett rum geht eine Art Säulengang, Roll of Honour genannt. In die Säulen sind 22.540 Namen von Menschen aus 30 verschiedenen Nationen eingraviert. Menschen, die in der Battle of Normandy ihr Leben gelassen haben.

Standing with Giants ist eine Kunstinstallation, bestehend aus 1.475 lebensgroßen Silhouetten. Sie stehen hier symbolisch für die Menschen, die am 6. Juni 1944 in der Normandie ihr Leben gelassen haben.

In zwei Tagen jährt sich die Landung in der Normandie zum 81. Mal. Im Memorial laufen bereits die Vorbereitungen. Und es sind ziemlich viele Briten hier, um der Opfer zu Gedenken. Als Deutsche komme ich mir ein wenig deplaziert vor.

Unser nächster Stopp ist das Cap Manvieux. Von dort aus hat man einen guten Blick auf Muberry B, eine der beiden großen Anlegestellen, die die Alliierten vor der Küste errichteten, um den Nachschub schnell und effektiv an Land zu bringen. Und natürlich auch auf den Strand von Arromanches-les-Bains.

Für heute reicht es uns, wir fahren zu einem Stellplatz in der Nähe. Ein Parkplatz mit Entsorgungsstation direkt am Meer auf der anderen Seite von Arromanches-les-Bains.

Der Platz ganz hinten in der Ecke ist noch frei. Da stellen wir uns hin und haben einen direkten Blick aufs Meer. Das ist halt etwas weit weg, weil hier Steilküste ist.

Später am Abend kommt noch einer mit Hänger angefahren und stellt sich neben uns. Ich glaube, der hat zuerst gar nicht geschnallt, dass hier Leute im Auto sitzen. Mit seinem Riesenteil kann der sich vermutlich gar nicht vorstellen, dass man in so einem vergleichsweise winzigen Fahrzeug wohnen kann. Jedenfalls kommt er nochmal kurz zu uns rüber und fragt, ob das so okay ist und wir da wohl rauskommen werden am nächsten Tag. Ich bin ja nicht so und sage ja.

Dreist finde ich es trotzdem, mit so einem langen Gespann auf einen Parkplatz wie diesen hier zu fahren und zu erwarten, dass man da mehrere Plätze blockieren kann.

Tag 10 - Werkstattbesuch und Strände

Montag, 5. Mai 2025

Der morgendliche Blick aus dem Camper ist so wechselhaft wie die Stimmung. Die Motorkontrollleuchte von gestern ist nicht vergessen. Die hat stimmungsmäßig ziemlich reingehauen.

Bei der Abfahrt müssen wir zunächst um das Wohnmobil mit Hänger herum. Die einzelnen Stellplätze sind mit Betonschwellen voneinander getrennt, die sind ziemlich hoch und über die müssen wir drüber. Ohne Allrad wäre das auf dem rutschigen Gras schwierig geworden.

Als nächstes steht Abwasser- und Müllentsorgunge auf dem Plan. Dafür halten wir an der Einfahrt des Platzes noch einmal. Dann machen wir uns auf den Weg zur Werkstatt.

Die Werkstatt hat nichts anderes gemacht als wir gestern: Fehler löschen. Anschließend ist ein Mitarbeiter ein bisschen rumgefahren, aber natürlich ist dabei nichts rausgekommen. Es dauert immer ein wenig, bis die Motorkontrollleuchte wieder angeht. Jetzt sollen wir ein bisschen rumfahren und uns nachmittags nochmal melden. Bezahlen musste wir noch nichts, wir haben aber etwas Geld in das Sparschwein der Mechaniker getan.

Wir fahren zum Omaha-Beach. Es ist gerade Ebbe und der Strand ist entsprechen riesig. Auch hier sind 1944 Teile der Alliierten Truppen gelandet.

Unser nächstes Ziel ist Grandcamp-Maisy. Erstmal haben wir Hunger und finden im Ort eine Crêperie, in der wenig los ist und in die wir einkehren. Ich esse etwas, was ich nie zuvor gegessen, ja von dessen Existenz ich bis heute nicht einmal gewusst habe: Gallette. Schmeckt gut!

Anschließend spazieren wir am Hafen vorbei zurück zu unserem Auto. Wir steuern den nächsten Strand an, an dem Truppen der Alliierten gelandet sind: Utah Beach.

Wir fahren zurück zur Werkstatt. Der Fehler ist natürlich nicht wieder aufgetaucht, die Motorkontrollleuchte bleibt aus. Wir melden uns dort trotzdem ab und sagen Bescheid, dass wir unsere Reise fortsetzen. Den Ausdruck mit den vielen Fehlern, die aus dem Speicher gelöscht wurden, nehmen wir mit.

Ich habe kein gutes Gefühl dabei, aber was sollen wir machen?

Aus irgendeinem Grund hängen sie hier die Ortseingangsschilder verkehrtherum auf. Das Internet sagt, das sei ein Bauernprotest gegen irgendwelche Regulierungen.

Wir fahren nach Balleroy auf den Stellplatz. Der ist ziemlich neu und ziemlich hübsch angelegt und außerdem kostenlos. Es gibt Kaffee und Kuchen und Chillen.

Abends färbt sich der Himmel am Horizont noch ein wenig in diversen Rottönen. Gegen den Frust hilft das aber auch nicht.

Tag 11 - Mont-Saint-Michel und Gezeitenkraftwerk

Dienstag, 6. Mai 2025

Ich habe schlecht geschlafen und ich bin frustriert. Ich glaube nicht, dass wir mit dem Auto noch weit kommen. Ich bin so frustriert, dass ich sogar das Knipsen aus dem Fenster vergesse.

Bevor wir uns auf den Weg machen, nutzen wir noch die Entsorgungsmöglichkeit und bringen unseren Müll weg. Wir würden auch unsere Frischwassertanks auffüllen, aber dafür benötigt man Jetons. Wir haben keine Ahnung, woher wir die bekommen. Egal, dann kaufen wir eben Wasser.

Tanken müssen wir auch noch. Verdient hat Bert das ja nicht, aber ohne bewegt er sich halt gar nicht mehr. An der Tankstelle ist es extrem nervig. Jede Zapfsäule hat einen kleinen Monitor eingebaut und da läuft permanent Werbung. Das Ding labert und labert und labert - und das relativ laut. Ich bekomme Falling-Down-Vibes.

Ich schiebe den Frust beiseite, wir machen Sightseeing. Dafür sind wir schließlich hier. Mont-Saint-Michel steht heute auf dem Programm. Das ist eine Felseninsel mit einer Abtei darauf.

Der Parkplatz liegt ein ganzes Stück landeinwärts. Der Touristenansturm ist so groß, dass man die Menschen- und Automassen irgendwie organisieren muss. Nun gibt es diesen Parkplatz mit 2,5 km Fußweg oder Shuttle-Service. Wir gehen zu Fuß.

Allerdings gehen wir nur bis zum Beginn des Stegs. Da tummeln sich ziemlich viele Leute und es ist lausig kalt. Auf beides habe ich nicht so viel Lust. Der Frust lässt sich auch nicht dauerhaft wegwischen und tut sein Übriges. Wir haben die Insel gesehen, das reicht uns erstmal.

Unser nächstes Ziel ist das Gezeitenkraftwerk an der Rance. Es ist das erste, das überhaupt gebaut wurde, und war lange Zeit auch das größte. Derzeit gibt es nur drei Gezeitenkraftwerke, die in Betrieb sind. Wenn man dort ankommt, ist es ein eher unscheinbarer Damm in der Mündung der Rance, der den Fluss vom Ärmelkanal trennt.

Auf der Seite, auf der wir parken, ist eine Klappbrücke, um Schiffen die Schleusen-Ein- und -Ausfahrt zu ermöglichen. Wir haben gerade das Auto geparkt und laufen Richtung Damm, da klappt die Brücke hoch. Ein Segelboot fährt in die Schleuse ein.

Für die Fußgänger gibt es eine Unterführung, um zwischen der See- und der Landseite des Dammes zu wechseln. Auf der Landseite sind ziemlich große Strudel zu sehen. Das Gebiet rund um den Damm ist auf beiden Seiten mit Bojen-Leinen abgesperrt und für die Schifffahrt verboten.

Bei der Einfahrt auf den Parkplatz sah das ganz schön knapp aus mit der Höhenbegrenzung. Unser Fahrzeug ist ungefähr 2,25 m hoch, das Schild an der Begrenzung weist eine Durchfahrtshöhe von 2,30 m aus. Ich mache Photos von der Ausfahrt, auf denen man sehen kann, dass das längst nicht so knapp ist, wie es aussieht, wenn man im Auto drin sitzt.

Die Motorkontrollleuchte geht wieder an und zu der ersten hat sich eine weitere Fehlermeldung gesellt. Ein leichter Leistungsverlust ist ebenfalls zu bemerken. Wir fahren zu einem Stellplatz und beschließen, morgen den nächsten Fordhändler aufzusuchen.

Urlaubsidylle pur, bei Sonne auf der Heckklappe sitzen, Kaffee und Croissants genießen. Wäre da nicht das Problem mit dem Auto, zu dem ich kein gutes Gefühl habe …

Statistik

557 Kilometer sind wir in diesen drei Tagen gefahren.

Karte

Auf der Karte sieht der dritte Teil des Trips so aus:

Video

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