Der lange Weg nach Schottland

Freitag, 23. Februar

Das meiste haben wir schon gestern gepackt. Da ich gestern Abend wieder die Tabletten nehmen musste, mit denen ich mich mindestens ein Jahr rumplagen muss und die ziemlich starke Nebenwirkungen haben, wäre ich heute Morgen nicht in der Lage gewesen, alles zu packen und im Auto zu verstauen. So ist es viel entspannter für mich. Als der Herr Lebensabschnittsgefährte um 12 Uhr Feierabend macht, essen wir noch schnell etwas zu Mittag, dann packen wir noch den Technikkram ein und gegen 14 Uhr geht es endlich los.

Noch auf der Stadtautobahn in Rostock machen wir uns über unseren Reiseproviant her. Und an der ersten Raststätte machen wir die erste Pause. Die Sonne scheint in die Fahrerkabine und es ist warm. Wir sind viel zu dick angezogen und müssen das dringend ändern.

Das Wetter war beim Packen schon ein Problem. Wir werden vier Wochen unterwegs sein, also bis Ende März. Da kann es schon recht warm sein. Daher haben wir Klamotten für leichte Minusgrade bis etwa 25 Plusgrade dabei. Der Herr Lebensabschnittsgefährte kann sogar die Beine seiner Outdoorhose abmachen und hat demzufolge sogar eine kurze Hose dabei. Ganz so gut bin ich nicht ausgestattet.

Gestern Abend hat der Herr Lebensabschnittsgefährte “noch eben schnell” ein Update auf unseren mobilen Router aufgespielt. Zwei Stunden saßen wir mit dem Ding im Wohnzimmer und haben daran herumkonfiguriert und getan und gemacht. Das war ein wenig nervig und es stand schon die Befürchtung im Raum, dass wir ohne das Teil losfahren müssen. Aber natürlich hat der Mann es hinbekommen.

Die Fahrt ist einigermaßen entspannt, wir hören Podcasts. Allerdings müssen wir die schon ziemlich laut machen. Seit wir den Dachgepäckträger montiert haben, auf dem nun eine Kiste mit Kram transportiert wird, ist es noch lauter in der Fahrerkabine.

Gegen 16 Uhr machen wir eine Kaffeepause. Die Schilder habe ich natürlich vergessen zu knipsen. Ich bin ziemlich verpeilt und neben der Spur. Kaffee hilft da auch nicht wirklich.

55555 km

Kurz bevor wir da sind, hat Bert übrigens die 55555 Kilometer voll. Und damit das auf dem Photo auch hübsch aussieht, ist der Herr Lebensabschnittsgefährte 55 km/h gefahren. Nur die Temperatur konnten wir nicht beeinflussen.

Um kurz nach halb Sieben kommen wir in Herzlake an. Das ist kurz vor Meppen und nicht mehr weit von der niederländischen Grenze entfernt. Es gibt zwar einen Wohnmobilstellplatz, aber der steht ziemlich unter Wasser. Überhaupt waren während der ganzen Fahrt bis zur niederländische Grenzen viele Äcker, Wiesen und auch Waldstücke zu sehen, auf denen das Wasser stand, teilweise komplett, teilweise in riesigen Pfützen. Zur Freude diverser Vogelpopulationen übrigens, die sich direkt um die neuen Wasserlöcher versammelten. Die Natur ist da ja eher pragmatisch.

Jedenfalls sind wir dann - mit Allrad, weil’s so rutschig war - auf die Wiese gegenüber vom Stellplatz gefahren, ziemlich matschig ist es hier. Am Rand dieses Matschplatzes stehen Pkw, die zum Sportplatz nebenan gehören. Viele Sportplätze stellen übrigens kostenlose oder sehr preisgünstige Stellplätze zur Verfügung, manchmal auch mit Ent- und sogar Versorgungsmöglichkeit. In der Regel ist da spätestens ab 22 Uhr Ruhe, wenn alle fertig sind mit Training oder dem Wettkampf. So auch heute.

Unsere Heizung zickt ein wenig herum. Eigentlich macht sie das schon, seit Bert aus der Werkstatt zurück ist. Nicht dass da ein Zusammenhang besteht, aber das ist uns bei der Elbe-Tour auch schon aufgefallen. Vermutlich wurde sie zu lange nicht genutzt. Sie stinkt beim Einschalten und der Lüfter macht komische Geräusche, insbesondere beim Ausblasen. Wenn man die Heizung ausschaltet, muss sie die Wärme noch eine Weile ausblasen, um nicht zu überhitzen. Wir hoffen jetzt erst einmal, dass das so bleibt, während wir auf Tour sind, und wir uns darum kümmern können, wenn wir wieder zuhause sind.

394 Kilometer sind wir am ersten Tag gefahren.

394 km

Samstag, 24. Februar

Morgens werden wir von den ortsansässigen Dohlen und Saatkrähen geweckt, die in den umstehenden Bäumen wohnen. Mit diesen Nachbarn hat man als Langschläfer morgens nichts zu lachen, die machen ganz schön viel Krach. Glücklicherweise sind wir Frühaufsteher und ich freue mich eher über das schiefe Gekrächze.

Was wir am Abend zuvor nicht gesehen haben: Außer der überfluteten Wiese, die auf dem ersten Bild ganz rechts neben der Baustelle beginnt, gibt es noch einen zweiten, asphaltierten Stellplatz. Die Hebevorrichtung für den Deckel von der Entsorgung ist definitiv knipsenswert. Auch wenn es sich nach einem Tag nicht wirklich lohnt, leeren wir unser Grauwasser. Dann geht es um 9 Uhr los.

Gegen 09:50 Uhr passieren wir endlich die niederländische Grenze.

Irgendwo haben wir, glaube ich, eine Abfahrt verpasst. Als Navigator bin ich nicht mehr so gut, seit ich ständig so verpeilt bin. Jedenfalls sind wir in den Wirren der Amsterdamer Autobahn gelandet. Teilweise fünf- und sechsspurig ist es für Ortsfremde ein wenig unübersichtlich. Aber ich konzentriere mich nun auf die Navigation und sage dem Herrn Lebensabschnittsgefährten, wann wir auf welche Spur müssen. Und da das Fahren in den Niederlanden recht entspannt ist, kommen wir da auch problemlos durch.

Das letzte Stück geht dann über Landstraße und wir sind um 13:30 Uhr in Hoek van Holland. In der Nähe des Terminals der Stena Line gibt es einen kostenlosen Stellplatz und wir haben Glück, dort ist noch ein Platz frei. Wir gucken aus dem Camper auf den Hafen. Auf der Wiese tummeln sich etliche Austernfischer.

Zu Mittag machen wir uns ein One-Pot-Meal mit Zwiebeln, Champignons und einer Tüte Fertigreis mexikanischer Art. Schmeckt ganz gut.

Anschließend wollen wir einkaufen gehen. Der Herr Lebensabschnittsgefährte will die Heizung ausschalten. Er drückt versehentlich erst den falschen Knopf, anschließend auf den richtigen Knopf. Der Heizung wird das nun zu viel, sie schaltet ab, blinkt rot und stinkt nach Abgasen. Nun geht sie nicht mehr an. Wir geben ihr ein wenig Zeit zum Abkühlen und gehen erstmal einkaufen im örtlichen Supermarkt. Die Laune ist ausgesprochen schlecht. Es sind ca. 7 °C und es regnet - nicht gerade die optimalen Voraussetzungen, um ohne Heizung im Camper zu hocken.

Nichts desto trotz setzen wir unsere Reise fort und fahren morgen erstmal ins Vereinigte Königreich und gucken, wie da das Wetter ist. UK ist ja bekannt für sein gutes Wetter … Montag wollen wir jemanden finden, der unsere Heizung repariert oder uns eine neue einbaut. Vermutlich wird es im Norden in Schottland und erst recht in Shetland etwas zu frisch, um es ohne Heizung auszuhalten. Laut Wetter-App herrschen heute Nacht auch in Harwich Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Den Nachmittag verbringen wir mit spielen, im Camper waren zwischen 12 und 13 Grad, wir hatten unsere Fleecejacken an, Mützen auf, Decken über die Beine und heiße Schokolade zum Aufwärmen von innen und es war ganz gut auszuhalten. Zwischendurch haben wir Schiffe geknipst, unter anderem auch unsere Fähre.

Damit das Bett nicht ganz so lausig kalt ist, habe ich mir für die Nacht die Wärmflasche gemacht.

300 Kilometer sind wir heute gefahren.

300 km

Sonntag, 25. Februar

Die Nacht war relativ ruhig, wenn man von den laut wummernden Schiffsmotoren und dem industriellen Hintergrundrauschen des Hafens gegenüber absieht. Geschlafen haben wir sehr gut, gefroren haben wir nicht. Unsere Decke wärmt sehr gut. Das Problem entsteht eher, wenn man morgens raus muss. Und man muss ja irgendwann raus.

Der heiße Kaffee richtet’s. Zum Frühstück gibt es für mich Weißbrot und Vlokken. Ich liebe das niederländische Pappbrot und den Schokobelag.

Gerade fliegt noch ein Plastikteil vom Gaskocher ab. Fast will es so scheinen, als wolle irgendetwas nicht, dass wir nach Schottland fahren. Vielleicht ist unser Pacman-Geist ja ein Poltergeist.

Nach dem Frühstück gibt’s nur Katzenwäsche, wir können ja nachher auf dem Schiff duschen. Das Wetter ist noch etwas mistig am Morgen, meine Lust, draußen rumzulaufen, hält sich in Grenzen. Während ich vor mich hin trödele, surft der Herr Lebensabschnittsgefährte auf der Webseite des Herstellers unserer Heizung herum und guckt sich die einzelnen Standorte an. Wir entscheiden uns für einen Umweg in die Nähe von Manchester, nach Wrexham, denn dort ist das Distribution Centre für Groß Britannien, da gibt es Ersatzteile und neue Heizungen auf Lager. Es gibt sogar eine Telefon-Hotline, die sonntags auch erreichbar ist, allerdings war da die ganze Zeit besetzt. Also hat der Mann eine E-Mail geschrieben, unser Problem geschildert, angegeben, wann wir vor Ort sein können und gefragt, ob man sich dann unseres Problems annehmen könne. Und siehe da, wir haben heute noch eine Antwort bekommen und haben morgen einen Termin in einer Werkstatt.

Katzenauge

An unsere Scheinwerfer pappen wir die Aufkleber, die erforderlich sind, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. Und dann gehen wir nochmal kurz zum Wasser

Anschließend gibt es noch ein frühes Mittagessen, Kohleintopf, den ich zuvor eingekocht habe, und dann fahren wir zum Fährhafen, der bei uns nebenan ist.

Die Niederländer kontrollieren unsere Reisepässe zweimal, einmal beim Einchecken und einmal durch den Zoll

Die Kabine ist schon fertig und sie ist top. Alles wirkt etwas neuer als auf den Schweden-Fähren.

Während der Überfahrt importieren wir die bisherigen Photos und Videos auf unsere Laptops, wir gehen duschen, wir mampfen unseren Proviant, machen uns heiße Schokolade, chillen und beobachten die anderen Schiffe. Zwischen NL und UK ist ganz schön viel los auf dem Wasser.

Als wir ankommen, ist es schon dunkel und regnerisch. Unsere Reisepässe werden zum dritten Mal kontrolliert. Aber das geht recht zügig. Wir müssen durch eine Halle fahren, in der Fahrzeuge kontrolliert werden. Jemand wirft zwar im Vorbeifahren einen Blick hinten in den Camper, aber rausgewunken werden wir nicht. In solchen Situationen scheint es mir oft recht vorteilhaft, dass wir hinten so ein großes Fenster haben, durch das man reinschauen kann.

Es ist sehr, sehr, sehr gewöhnungsbedürftig, auf der falschen Seite mit dem Auto zu fahren. Schon im Hafen verfahren wir uns auch noch, biegen in eine Sackgasse ein, aber das ist schnell korrigiert. An der Landstraße stehen ständig Schilder “Drive left”. Und wenn da plötzlich einer im Dunkeln auf “deiner” Seite entgegenkommt, bleibt das Herz kurz stehen. Ist ja natürlich nicht meine Seite, sondern seine. So übermüdet im Dunkeln war das echt der Horror. Die Kreisverkehre sind einspurig ja nicht weiter schlimm. Aber mehrspurige und dann noch mit Ampel drin sind echt krass.

Die Stellplatzsuche zieht sich etwas, die Plätze in der App erscheinen uns entweder nicht angemessen oder haben eine Höhenbeschränkung. Aber dann finden wir eine Parkbucht, die wir nutzen.

Wir sind ziemlich müde und fertig und überhaupt und gehen baldmöglichst ins Bett. Unseren Tacho haben wir mittlerweile auf Meilen umgestellt. 8 Meilen sind wir an diesem Tag gefahren. Das entspricht etwa 13 Kilometern.

8 Miles

Montag, 26. Februar

Der erste Tag in UK fängt müde an. Ich musste gestern meine Tabletten nehmen, weswegen ich fast nicht geschlafen habe. Trotzdem beeile ich mich, wir haben schließlich einen Termin und noch ein paar Meilen vor uns.

Das Grundstück, auf dem wir stehen, gehört wohl einem, der Gemüse anbaut und verkauft, da kaufen wir gleich mal ein paar Möhren. Sonst brauchen wir leider nichts.

Gemüseverkauf

Wir müssen noch ein Stück durch enge Straßen bis zur Schnellstraße fahren und ich stelle fest, dass es hier ausgesprochen entzückende Verkehrsschilder gibt.

Achtung, Enten!

Was wie ein roter Faden durch unsere Reise zieht, seit wir die BRD verlassen haben: Wir vergessen ständig zu tanken. Wir haben das in NL vergessen, wir haben das gestern Abend vergessen und heute als wir morgens losfahren haben wir das ebenfalls vergessen. Wir sind auf Reserve unterwegs, was wir normalerweise nicht tun. Nun müssen wir einen kleinen Umweg fahren, um die nächste Tankstelle anzusteuern.

Wir fahren eine Landstraße, Schnellstraße heißen die UK, die sind bis zu dreispurig und werden mit A-Nummern bezeichnet. Die Kreisverkehre sind mehrspurig und enthalten teilweise sogar Ampeln. Die Parkplätze sind nur kleine Buchten am Straßenrand. Aussteigen ist da nicht ganz ungefährlich, die Fahrzeuge donnern mit 60 - 70 mph vorbei. Zwischendurch fahren wir auch ein Stück Autobahn. Der Unterschied ist kaum zu merken. Man darf gleich schnell fahren, sie sind nur etwas neuer und besser ausgebaut.

Die Flood-Schilder stehen überall. Ich frage mich, ob es sich dabei um Zeugen der vergangenen Wetterereignisse handelt. Auf einem Abschnitt war die Gegenfahrbahn auch tatsächlich noch halb überschwemmt. Der linke Streifen war komplett unter Wasser, der mittlere Fahrstreifen so halb aber auch nicht nutzbar, nur der rechte Fahrstreifen war noch frei und es staute sich etwas.

An der Stelle sei auch mal erwähnt, dass sich die bekannte höfliche englische Art auch im Straßenverkehr bemerktbar macht. Niemand drängelt, keiner hupt oder nötigt einen mit der Lichthupe usw. Es ist sehr angenehm und entspannt hier zu fahren. Aber unfassbar viel Müll liegt rechts und links von der Straße, etliche kaputte Reifen, Plastikfolien und auch Flaschen, Getränkedosen, Verpackungen etc. Das ist wirklich schlimm.

Kleinere Straßen als die Schnellstraßen werden mit B-Nummern bezeichnet. Die fahren wir natürlich viel lieber, aber wir haben ja nicht so viel Zeit. Und ich bin total verpeilt und muss navigieren.

Auf einem Parkplatz legen wir eine kurze Mittagspause ein. Es gibt Nudeln mit Pesto für den Mann und mit Ketchup für mich, ich mag Pesto nicht. Viel Zeit lassen wir uns nicht, wir wollen nicht zu spät in der Werkstatt aufschlagen.

Wir müssen nach North Wales. Diese Werkstatt ist der Distributor für ganz UK, dort hat man auf jeden Fall Ersatzteile und auch neue Heizungen vorrätig und muss nicht erst etwas bestellen.

Die Werkstatt ist total cool. Das Gelände sieht aus wie eine alte Farm, von der man die einzelnen Gebäude oder auch nur Teile davon an Gewerbetreibende vermietet hat. Eine Halle dort hat der Heizungs-Typ wohl gemietet oder gekauft.

Zunächst hängt er einen Laptop an die Heizung und misst irgendwelches Zeug. 1066 Betriebsstunden bisher, zwei Faults. Der aktuelle Fehler ist unbekannt. “I’ve never seen this”, waren seine Worte. Das Auto kommt auf die Bühne, die Heizung wird aus- und ein neuer Lüfter eingebaut. Der alte Lüfter sieht allerdings gar nicht kaputt aus, keiner kann sich erklären, warum der fehlerhaft im Betrieb ist. Weil der Hersteller drei Jahre Garantie gibt, ist die Reparatur sogar kostenlos. Die Heizung wird erst auf der Werkbank getestet, dann wieder eingebaut und im Auto getestet. Alles funktioniert, wir fahren wieder.

Diese beiden Hühner hindern uns an der Ausfahrt. Sie sitzen mitten auf dem schlammigen Weg und machen nur sehr widerwillig Platz. Letztlich ist Bert aber größer und stärker und sie sind dann doch zur Seite gegangen - wenn auch nicht weiter als unbedingt notwendig.

Der Chef ist übrigens Schottland-Fan und war ganz begeistert, dass wir dorthin wollen. Wir sollen ihm eine Karte schreiben, meint er, und wir nehmen uns fest vor, dies auch zu tun.

Wir fahren bis Wigan zur Übernachtung auf einem Parkplatz, der auf einem Hügel über der Stadt liegt.

Die Heizung läuft. Nach einer Weile ist es ziemlich warm im Camper und wir schalten den Lüfter ein. Damit ist die Heizung im Stand-by. Um wieder zu heizen, schalten wir den Lüfter wieder aus. Als wir das tun, geht sie in einen Fehlermodus, dann geht sie aus und stinkt fürchterlich nach Abgasen. Wir nehmen vorsichtshalber die Sicherungen heraus, damit die Heizung in der Nacht nicht irgendetwas tut, dann legen wir uns schlafen.

298 Meilen sind wir heute gefahren.

298 Miles

Dienstag, 27. Februar

Am Morgen scheint die aufgehende Sonne in den Camper, nachdem der Herr Lebensabschnittsgefährte den Vorhang ein wenig geöffnet hat.

Aussicht mit Sonnenaufgang

Nachts sollte es bis -1° werden, das Thermometer hat 0,9 gemessen. Gefroren haben wir aber nicht. Besonders gut geschlafen habe ich allerdings auch nicht. Zum einen ist der Parkplatz ein wenig dubios, es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Wobei die Leute vermutlich eher zum Kommen als zum Gehen da waren. Es ist nicht aus jedem Auto jemand ausgestiegen, nach einer Weile sind sie wieder wegefahren. Das war zwar ein wenig nervig, war allerdings auch schlagartig irgendwann vorbei und es herrschte Ruhe. Auch die etwas weiter entfernten Leute, die laut Party gefeiert haben, waren dann wieder verschwunden. Schlafen konnte ich trotzdem nicht. Die Probleme mit der Heizung nerven. Ich hoffe sehr, dass die Probleme heute gelöst werden.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte dreht eine Morgenrunde über den Parkplatz und berichtet, dass auf einem der Schilder steht, dass man sich benehmen solle. Und weil das in der Vergangenheit nicht immer der Fall war, würde die Polizei wohl öfter kontrollieren. Was mit dem “benehmen” genau gemeint ist, stand nicht auf dem Schild. Aber ich habe da so eine Idee …

Welcome to Wales

Wir fahren die etwa 60 bis 70 Meilen zurück nach Wales. Langsam frage ich mich, ob wir jemals Schottland erreichen oder ob es irgendetwas gibt, was uns davon abhalten will. Unterwegs stellen wir erstaunt fest, dass die Start-Stopp-Automatik funktioniert. Das hat sie nämlich in letzter Zeit auch nicht getan. Anscheinend muss immer irgendetwas in diesem Auto kaputt sein. Wobei ich auf die Start-Stopp-Automatik ganz gut verzichten kann.

Die nächste Baustelle ist auch schon ausgemacht. Es ist der Router. Seit dem Update, das wir vor der Reise aufgespielt haben, funktioniert der nicht mehr richtig, ständig geht die Internetverbindung verloren. Und es hilft nur ein Neustart des Routers. Da der hinten im Camper ist, ist das während der Fahrt natürlich ein Problem und auch sonst etwas lästig. Wir wollen unseren Urlaub ja nicht damit verbringen, im Halbstundentakt den Router neu zu starten. Der Herr Lebensabschnittsgefährte will sich mal mit dem Support in Verbindung setzen.

Vorschmortes Kabel

Die Heizung ist repariert. Es hat eine Weile gedauert, der Typ konnte sich den Fehler überhaupt nicht erklären, der Lüfter war nämlich laut Diagnose-Laptop schon wieder kaputt. Also hat er die komplette Heizung gegen eine neue ausgetauscht. Aber auch die funktionierte nicht richtig und es machte sich Ratlosigkeit auf der britischen und Frust auf der deutschen Seite breit. Plötzlich kam er auf die Idee, das Stromkabel auszutauschen, das die Heizung mit der Batterie verbindet. Und dann ging die Heizung. Er entfernte den Schutz von den Kabeln und das obige Bild bot sich. Irgendjemand hatte Kabel getauscht und gecrimpt und zu dünnes Kabel verwendet und das ist durchgeschmort. Da müssen wir wohl noch einmal zu der Werkstatt, die das eingebaut hat. Dieselbe Werkstatt hat uns auch die Motorstandheizung eingebaut. Bleibt zu hoffen, dass da nicht so ein Pfusch gemacht wurde.

Beim Heizungsfachmann in der Werkstatt war noch ein anderer Kunde da, bei dem gerade eine Dieselstandheizung in den Camper eingebaut wurde. Wir quatschten mit dem und das Thema kommt - wie immer - auf Toilette. Der Typ von der Werkstatt musste lachen. Egal, wo Camper (vor allem mit eigenen Ausbauten) aufeinander treffen, die Toilette ist immer ein Thema, das würde er bei sich in der Werkstatt ständig erleben. Aber nunja, die ist ja auch das Wichtigste.

In der Halle war es übrigens lausig kalt trotz der vielen Heizungen, die es da gibt. Die Halle selbst hat keine Heizung.

Mittags gibt es Möhrengemüse aus unseren britischen Möhren, die wir am ersten Tag gekauft haben. Kartoffeln haben wir ja dabei, die koch ich ebenfalls ein, wenn wir auf Tour gehen. Auf diese Weise sparen wir eine Menge Gas. Die Heizung ist während des Kochens in den Lüfterbetrieb gegangen. Als ich sie wieder einschalten will, geht sie wieder nicht! Jetzt ist aber Verzweiflung angesagt!

Wir sind noch nicht weit weg von der Werkstatt, wir sind immer noch in Wales. Wir fahren noch einmal wieder zurück. Langsam wird es peinlich. Und es sollte noch peinlicher werden. Diese Heizung hat nämlich gegenüber dem Vorgängermodell ein Software-Update und funktioniert ein klein wenig anders. So lange die eingestellte Temperatur, die man mit einem Drehregler nur so ganz grob geschätzt einstellen kann, so lange diese im Camper erreicht ist, geht die Heizung nicht an. Und sie schaltet auch den Lüfter aus, was das Vorgängermodell eben nicht gemacht hat. Und wir haben das falsch interpretiert und gedacht, die sei kaputt. Darüber hinaus saß der Drehregler nicht richtig und zeigte die falsche Temperatur an. Es kommt ja nicht selten vor, dass der Fehler vor dem Gerät sitzt.

Auf der Fahrt vom Mittagessen zurück zur Werkstatt hatten wir Bargeld abgehoben, so dass wir dem Typen (ich weiß leider nicht, wie der heißt) ein gutes Trinkgeld geben können für all den Stress und die viele Zeit, die er investiert hat.

Eigentlich haben wir noch Geld von unserer London-Reise 2016 übrig gehabt, aber das ist zwischenzeitlich nicht mehr gültig, das müssen wir noch umtauschen.

Jetzt, da das leidige Heizungsthema endlich durch ist, machen wir uns auf den schnellsten Weg nach Schottland. Wales ist schön. Aber wir hatten nunmal Urlaub in Schottland geplant. Wir fahren die M6 entlang. Ich mache nicht einmal mehr Photos. Einen Teil der Strecke kennen wir ja eh schon. Wir fahren bis Kendal. Der Kendal Cricket Club stellt auf seinem Parkplatz Plätze für Wohnmobile gegen Gebühr zur Verfügung. Den steuern wir an.

Vermutlich wird dies das einzige Mal in meinem Leben sein, dass man mich auf dem Cricket-Platz antrifft.

202 Meilen sind wir heute gefahren.

202 mi

Mittwoch, 28. Februar

Wir haben ganz gut geschlafen und sind zeitig wach. Der Blick aus unserer Heckklappe zeigt den Cricket-Platz. Leider hat weder gestern Abend noch heute Morgen dort jemand Cricket gespielt. Das hätte ich noch ganz witzig gefunden, mir anzugucken.

Cricket-Platz

Als wir uns auf den Weg machen, kommen ein paar Leute auf dem Platz an. Ob die da anderes zu tun haben oder tatsächlich spielen wollen, werden wir nie erfahren. Ein älterer Mann ist wohl da zusammen mit seinem Jack-Russel-Terrier das Platzwart-Team. Die beiden kontrollieren jedenfalls den Platz und kassieren von uns die Parkgebühr. Normalerweise kosten Motorhomes 10 Pfund, aber für unseren Mini-Camper müssen wir nur fünf Pfund bezahlen. Ich verstehe fast nichts von dem, was er sagt, aber er ist definitiv ein netter Typ.

Wir fahren erst durch den Ort, dann ein Stück über Land und dann auf die M6 Richtung Norden.

Endlich haben wir ein neues Problem! In UK ist es gar nicht so einfach, eine Entsorgungsmöglichkeit zu finden. Wir haben zwar auf einer Webseite einen Link zu einer Google-Liste gefunden, aber die ist leider nicht mehr ganz aktuell. Unterwegs steuern wir zwei dieser Plätze an, werden aber nicht fündig. Dafür haben wir ein bemerkenswertes Schild gefunden:

Langsam fahren wegen roter Eichhörnchen

SLOW - Red Squirrels - Please drive carefully - Thank you. Solche Schilder haben wir öfter gesehen und das finde ich ziemlich niedlich. Ich meine mich aus einer Doku zu erinnern, dass der Hintergrund der ist, dass die roten Eichhörnchen in UK von den grauen Einwanderern aus den USA verdrängt werden. Da ist es wichtig, noch vorhandene Populationen zu erhalten.

Welcome to Scotland

Finally!

Wir sind runter von der M6 und fahren Richtung Galloway. Wir halten an einer Tankstelle, die die erste ist, die AdBlue zum Zapfen hat. Die bisherigen haben das Zeug nur in Kanistern verkauft, 10 Liter für 30 Pfund, was ein ganz schön heftiger Preis ist. An der Zapfsäule kostet es 1,29 Pfund. Das ist immer noch deutlich teurer als bei uns in Deutschland.

Am Drumburn View Point legen wir eine Pause ein. Da kann man nach England gucken - wenn man was sieht. Die letzten 15 Minuten hat es nur noch übelst geregnet. Wir machen uns Mittagessen, es gibt Käse-Lauch-Suppe. Weil es immer noch stark regnet und ich zur Abwechslung mal wieder Bauchschmerzen habe, bleiben wir gleich hier stehen. Laut Wetter-App soll es den ganzen Nachmittag ziemlich heftig regnen, viel verpassen werden wir also nicht. Und meinem Bauch wird das sicher guttun. Der Stress der letzten Tage und das viele Sitzen im Auto ist ihm gar nicht gut bekommen.

113 Meilen sind wir heute gefahren.

113 mi

Video

Statistik

694 Kilometer sind wir auf dem Festland und 621 Meilen sind wir bisher in UK gefahren. Das sind insgesamt 1.693 Kilometer bzw. 1.052 Meilen.

Auf der Karte sieht der lange Weg nach Schottland so aus: