Harlingen, Texel und Den Helder

Wir unternehmen einen Bummel durch Harlingen und verbringen die Nacht an der Nordspitze von Texel. Zurück von der Insel schlendern wir durch den Museumshafen Willemsoord in Den Helder.

Tag 7: Harlingen und nach Texel

Montag, 22. September 2025

Der letzte Morgen auf dem kleinen, schnuckeligen Stellplatz mit einem Blick aus dem Camper auf den klaren Himmel. Begleitet wird der Morgen von lautem Maschinengeräusch, der Deich wird gemäht.

Erst jetzt bei Abreise fällt mir auf, dass der Grill auf dem Grillplatz mit einer Pferdefigur geschmückt ist. Sehr hübsch. Wir werfen unseren Müll die in die jeweiligen Tonnen und fahren los.

Wir beschließen, so weit es geht, auf und später neben dem Deich zu fahren. Wir müssen durch Schafherden hindurch und an Spaziergängern und Radfahrern vorbei. Allerdings hält sich deren Anzahl jetzt in der Nebensaison stark in Grenzen. Im Sommer würden wir hier eher nicht entlang fahren.

Eine meiner Follower*innen im Fedivers hat mich auf das Schiff De Wilhelmina aufmerksam gemacht. Und wie es der Zufall so will, ist sie das erste Schiff, das wir sehen, als wir vom Parkplatz zur Gracht gehen.

Harlingen ist ein eher kleiner Ort aber mit einer sehr schönen Innenstadt mit vielen historischen Gebäuden und sehr vielen Plattbodenschiffen, die in den Grachten von Harlingen liegen.

Wir gehen am Zuiderhaven entlang Richtung Süden und zurück über die Vorstraat. Dort müssen wir an der Klappbrücke über die Zufahrt zum Zuiderhaven warten, da gerade ein Boot diese passiert.

Unser Auto steht auf dem Parkplatz vom Supermarkt Albert Heijn. Dort gehen wir noch einkaufen und dann fahren wir weiter. Unser Ziel ist heute die Insel Texel. Dafür müssen wir über den Afsluitdijk (Abschlussdeich) fahren. Wir könnten aber auch nach Zürich fahren.

Bevor wir das östliche Sperrwerk und die Klappbrücke passieren, gibt es einen Rastplatz, wo wir für ein Mittagessen anhalten. Der Ort ist auch Surfspot. So gibt’s zum Essen auch Unterhaltungsprogramm

Nach dem Essen geht es weiter. Die Tore des Sperrwerks hier sind nachts übrigens beleuchtet. Bisher habe ich das nur auf Bildern gesehen, das sieht aber recht hübsch aus. Tagsüber sind’s halt nur graue Betonklötze.

Kurz hinter dem Abschlussdeich gibt’s eine Abfahrt nach Westerland. Aber auch da wollen wir nicht hin, da waren wir ja schon - natürlich in “dem anderen” Westerland, dem auf Sylt.

Wie so oft fahren wir auch hier wieder abseits der großen ausgebauten Straßen zwischen Feldern, so weit das möglich ist.

Auf dem Weg durch Den Helder zum Fährterminal kommen wir an einem Feuerschiff vorbei. Dieses ist Teil des Museumshafens und auch der Marinehafen ist in Willemsoord untergebracht. Wir beschließen, uns hier ein wenig umzuschauen, wenn wir von der Insel zurückkommen.

Jetzt geht’s aber erstmal nach Texel. Während wir am Terminal in der Warteschlange stehen, sind wir im Bild der Webcam zu sehen. Der Herr Lebensabschnittsgefährte hat davon einen Screenshot gemacht. Zwischen all den dunklen und weißen Autos, sind der rote Bert und der rote Pkw, der vor uns stand, schon ein krasser Farbfleck. Auf der Fähre darf man im Auto bleiben, weswegen es keine Bilder von Bord gibt.

Die lokale Dohlen-Population nutzt die Wartezeit der Fahrzeuge übrigens geschickt aus: Sie landen direkt vor den Autos, picken tote Insekten aus den Kühlungsschlitzen und von den Nummernschildern und laufen dann zum nächsten Fahrzeug.

Auf Texel bin ich überwiegend mit gucken beschäftigt und vergesse dabei fast völlig zu knipsen. Lediglich das Ortsausgangsschild von Zuid-Eierland habe ich geknipst. Ich werde demnächst wohl noch eine Galerie mit lustigen Ortsnamen anlegen.

Unser Stellplatz ist ganz im Norden von Texel. Auf einem Bauernhoft gibt es auch einen Teil mit Campingplatz. Wobei man sich Bauernhof nicht so romantisiert wie in Kinderbüchern vorstellen darf. Auf vielen Höfen bekommt man von der Landwirtschaft kaum noch etwas mit. Das deutlichste Zeichen ist vielleicht, dass der Eigentümer des Platzes erst abends Zeit zum Kassieren hat, ziemlich unkompliziert ist und in dreckigen Arbeitsklamotten und Gummistiefeln herumläuft.

Zudem ist er sehr sympathisch und findet den Ausbau unseres Campers toll. Die meisten, die hier stehen, sind dann doch eher spießig mit überdimensionaler Weißware, einer sogar mit Anhänger und einem Smart ausgerüstet. Nun denn. Freundlich sind sie alle und die Sanitäranlagen sind top.

Nachdem wir uns gemütlich eingerichtet haben, gehen wir an den Strand. Wir wollen zu Fuß die Nordspitze mit dem Leuchtturm umrunden.

Am Strand liegen ziemlich viele blaue Quallen herum. Die sind ganz schön groß, bis zu 30 cm Durchmesser. Beim Schwimmen möchte man denen nicht begegnen, die können schon ein wenig Aua machen.

Wir sind jetzt ordentlich durchgelüftet und gehen wieder zurück zum Campingplatz. Dazu müssen wir erstmal durch die Dünen durch. An einem Vogelbeobachtungspunkt gibt es ein paar Enten und Gänse zu sehen und ein paar männliche Fasane beim Kräftemessen.

Und es gibt Zeugnisse der Dummheit der Menschen. Offensichtlich kann eine nennenswerte Anzahl von Hundehaltern einen Briefkasten nicht von einem Mülleimer unterscheiden. Schämt euch!

109 Kilometer sind wir heute selbst gefahren. Hinzu kommen knapp 5 Kilometer Überfahrt mit der Fähre. Die Karte dazu gibt’s am Ende des Beitrags.

Tag 8: Von Texel nach Den Helder

Dienstag, 23. September 2025

Leider habe ich nicht gut bzw. viel zu wenig geschlafen. Ich bin um ein Uhr nachts wieder wach geworden und lag dann bis halb sechs morgens wach. Als der Wecker klingelte war mein einziger Gedanke: Nein. Aber ich habe mich dennoch aus dem Bett gequält und Kaffee getrunken und bin jetzt einigermaßen wach und bereit für die Dusche.

Die Sanitär-Anlagen des Campingplatzes sind sehr neu und sehr sauber und auf eine Art sehr ungewöhnlich. Sie sind nämlich Unisex. Es gibt einen Eingang, das Innere teilt sich in zwei Hälften. Links des Eingangs sind Toiletten und gegenüber Waschbecken. Die erste Kabine ist ein Pissoir, die restlichen drei oder vier sind normale Toiletten. Rechts des Eingangs sind zwei Wasch- und zwei Spülbecken. Gegenüber davon drei Duschen und eine Waschkabine. Und das alles für alle Geschlechter. Ich finde das cool und etwas gewöhnungsbedürftig zugleich.

Unser Gastspiel auf der Insel ist nur kurz und wir fahren heute schon wieder zurück. Wir nehmen andere Routen als auf dem Hinweg.

Weit kommen wir erstmal nicht, nach fünf Minuten der erste Photo-Stopp. Neben uns in einem Feld sitzen jede Menge Kiebitze. Die sieht man ja nicht mehr so häufig, da muss man natürlich anhalten und sie knipsen. Bei der Gelegenheit werden auch noch ein paar vorbeifliegende Gänse abgelichtet.

Wir lieben es, auf diesen ruhigen Nebenstraßen durch die Lande zu streifen. Das ist für mich wesentlich mehr Freiheit als mit 250 km/h über die Autobahn zu heizen - was ich früher auch durchaus gerne gemacht aber nie als “Freiheit” empfunden habe.

Während wir auf die Fähre warten, guckt der Herr Lebensabschnittsgefährte wieder nach der Webcam und wird fündig. Diesmal sind wir zwar nicht so schön farblich hervorgehoben, aber man erkennt uns trotzdem: in der linken Reihe das vorletzte Fahrzeug.

In Den Helder angekommen parken wir auf dem Parkplatz im Museumshafen Willemsoord. Der ist erstaunlicherweise sogar kostenlos. Es gibt hier auch einen vergleichsweise günstigen Wohnmobilstellplatz. Aber wir wollen nur kurz parken und wählen einen Pkw-Parkplatz. Dann erkunden wir die Gegend.

Das erste, worauf wir stoßen, ist ein altes Schiffswrack aus dem 17. Jahrhundert, das in einem Glasgebäude untergebracht ist. Bei Sonnenschein ist es etwas schlecht zu photographieren, da die Scheiben spiegeln. Im Dunkeln ist das Wrack auch beleuchtet.

Zu den historischen Außenanlagen gehören auch ein Trockendock und ein alter Kran. Vor dem Museum für Rettungsboote steht ein altes Rettungsboot. Im Klappbrückenland ist natürlich nahezu jede Brücke klappbar. Anders ließe sich der Verkehr hier gar nicht bewerkstelligen.

Plattbodenschiffe und das Feuerschiff, das wir am Vortag schon gesehen hatten, befinden sich am südlichen Ende von Willemsoord. Außerdem kann man von hier aus ein Arbeitsschiff für irgendwelche Offshore-Infrastruktur, Plattformen oder Windräder, mit seinem Hubschrauberlandeplatz sehen.

Wir werden außerdem Zeugen, wie ein Boot zu Wasser gelassen wird. Das geht allerdings sehr langsam und laut quietschend vonstatten. Ein paar Leute stehen an der Kaikante und gucken zu, machen Photos und Videos oder halten sich die Ohren zu. Wir gucken uns das auch eine Weile an, aber nicht bis zum Ende. Wie gesagt, es geht sehr langsam.

Am Werftkanal entlang gehen wir zurück Richtung Norden. Dort liegt der Dampfschlepper Nordzee. Auf halbem Weg kommen wir wieder an einem Imbiss vorbei, der uns auf dem Hinweg schon aufgefallen ist. Während wir auf unser Essen warten, reinigen ein paar Dohlen Tische und Bänke. Dann geben wir uns Junkfood vom Feinsten: Pommes mit Frietsaus, Vleeskroket und Frikandel spesiaal. Zum Nachtisch gibt’s noch ein Softeis mit Soße (leider nicht geknipst).

Auf unserem weiteren Weg kommen wir an einem Schiff vorbei, das in Stralsund gebaut wurde und nun hier liegt. Arkona heißt es, ist von 1949 und wird derzeit wieder fit gemacht als Segelschiff.

Die letzte Station ist das Marinemuseum. Eigentlich hatten wir überlegt hineinzugehen, aber darauf verzichten wir nun. Wir schauen uns wieder nur die Außenexponate an.

Kleine Anekdote am Rande: Auf dem Gelände, auf dem wir jetzt gerade herumlaufen und zu den beiden Schiffen gehen, die man ebenfalls besichtigen kann (wenn man eine Museums-Eintrittskarte hat), sind wir bei der Parkplatzsuche ebenfalls herumgefahren. Auch am Schild vorbei, das auf militärisches Gelände hinweist. Wir haben dann schnell wieder kehrt gemacht, bevor wir Ärger mit der niederländischen Marine bekommen.

Ich denke, ein Besuch im Museum würde sich auf jeden Fall lohnen. Sollte es uns noch einmal in die Gegend verschlagen, werden wir das sicherlich einplanen.

Zuletzt gehen wir zum Haupteingang, von dem aus man das aufgebockte U-Boot sehen und als Museumsbesucher auch von innen besichtigen kann. Das ist sicherlich moderner als die U-Boote, die wir bisher besichtigt haben, denn es war bis 1991 in Dienst.

Mittlerweile haben wir genug vom Herumlaufen und ich bekomme auch - mal wieder - Bauchschmerzen, was vielleicht auch am Schlafmangel, vor allem aber am fettigen Essen liegt. Wir gehen zum Camper zurück und ruhen uns da noch eine Weile aus. Ich trinke einen Tee.

Nach einer Weile fahren wir dann. Unser Ziel ist die Marina in Hoorn, wo wir morgen die Dampftram und das dazugehörige Museum besichtigen wollen.

89 Kilometer sind wir heute selbst gefahren und weitere 5 Kilometer hat uns die Fähre gefahren. Die Kartenansicht ist am Ende des Beitrags.

Karte

Auf der Karte sieht der Trip nach Texel und zurück so aus: