Die Ex- und Enklaven-Stadt Baarle und die Fahrt nach Hause

Der letzte Punkt auf unserer Reise ist der Ort Baarle, teils niederländisch, teils belgisch. Eine lustige Wanderung über mehrere Grenzen hinweg. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Hause.

Tag 17: Baarle Nassau und Baarle Hertog

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Wir haben hier herrlich geschlafen und ich liebe es, wenn ich morgens beim Blick aus dem Camper als erstes Pferde sehe. Manchmal vermisse ich das Pferd, den Stall und alles drumrum schon sehr. Heute präsentieren die Pferde mir einen tollen und extrem farbenfrohen Sonnenaufgang.

Auf unserem Reiseplan steht heute Baarle. Das ist eine Stadt, die im Wesentlichen aus En- und Exklaven besteht, die zur Hälfte niederländisch und zur Hälfte belgisch ist. Aber diese beiden Hälften sind nicht einfach an einer Linie entlang gezogen, sondern ineinander verschachtelt. Wie es dazu kam, kann man im Wikipedia-Artikel über Baarle im Abschnitt Geschichte nachlesen.

Auf dem Weg nach Baarle sind wir übrigens völlig unbemerkt über die Grenze nach Belgien gefahren. Es gab kein Grenzschild, einen Grenzstein habe ich nicht gesehen und auch sonst nichts. Plötzlich sehen halt alle Schilder anders aus und vor den Häusern stehen Fahrzeuge mit belgischen Nummernschildern. Die Straßen sind deutlich schlechter. Zurück in den Niederlanden sind die Straßen wieder super, gut asphaltiert, erkennbare Fahrbahnmarkierungen usw. Aber auch diesmal kein Hinweis auf eine Grenze.

In Baarle ist es anders, dort spart man nicht an Hinweisen auf die Zweistaatigkeit, man kokettiert eher damit.

Unser erster Weg führt uns zum Gemeindehaus von Baarle-Nassau, wie der niederländische Teil der Stadt heißt. Dabei kommen wir am ehemaligen Gemeindehaus von Baarle-Hertog vorbei.

Im niederländischen Gemeindehaus ist auch die Touristen-Info untergebracht. Der statten wir zunächst einen Besuch ab. Es gibt eine Ausstellung mit der Geschichte der zweigeteilten Stadt und zwei Karten, auf die Besucher einen Pin setzen können. Der Mitarbeiter dort ist sehr nett, erzählt uns noch ein paar Dinge zur Geschichte der Stadt, gibt uns ein paar Tipps und einen Stadtplan und wir machen uns auf den Weg.

An den Hausnummern erkennt man übrigens, ob ein Haus im niederländischen oder im belgischen Teil der Stadt liegt. Und es gibt sogar Häuser, die genau auf der Grenze der beiden Länder liegen. Damit die nicht doppelt Steuern und Abgaben zahlen müssen, können die Hauseigentümer sich aussuchen, welcher Verwaltung sie zugeordnet werden möchten.

Im Stadgebiet sind an allen Stellen des Grenzverlaufs Markierungen angebracht: Auf den Gehwegen in der Regel die oben gezeigten Kreuze mit der Angabe, auf welcher Seite jeweils welches Staatsgebiet liegt, und auf den Straßen durch Pflastersteine oder Markierungsnägel.

Auch die Kirche gibt es zweimal, einmal belgisch und einmal niederländisch. Das hat auch ganz praktische Gründe, schließlich will man im Heimatland Heiraten, seine Kinder taufen, beerdigt werden usw. Und ich weiß nicht, wie es in den beiden Nachbarstaaten ist, hier in Deutschland hätte es auch noch kirchensteuerrechtliche Gründe.

Ein beliebtes Deko-Element touristisch erschlossener Ortschaften sind Wegweiser. Ich glaube, ich muss ihnen auch mal eine eigene Kategorie widmen. Hier in Baarle sind sie ebenfalls thematisch passend zu anderen Enklaven mit den jeweiligen Entfernungsangaben.

Wir haben uns gestern Abend schon dazu entschlossen, heute weiter Richtung Heimat zu fahren. Gerne wären wir zwar noch zum südlichsten Punkt des Landes gefahren, aber das wäre ein ziemlicher Umweg. Da wir sowieso noch einmal nach Frankreich “müssen”, haken wir diesen Punkt bei der nächsten Frankreich-Tour von unsere Liste ab und fahren jetzt Richtung Norden.

Etwas nördlich von Enschede haben wir einen Stellplatz ausgemacht, auf dem wir die Nacht verbringen wollen. Es handelt sich um einen Bauernhof, der ein paar Stellplätze für Camper anbietet. Diesmal haben wir also Rinder statt Pferden als Nachbarn.

248 km sind wir heute gefahren. Die Karte dazu ist am Ende des Beitrags.

Tag 18: Heimfahrt

Freitag, 3. Oktober 2025

Der letzte Tag in den Niederlanden beginnt mit einem Sonnenaufgang in ziemlich krassen Farben.

Nach dem Frühstück geht zunächst der Herr Lebensabschnittsgefährte raus und knipst das Auto und die doch ziemlich ruhigen Nachbarn. Irgendwann wird mir zu warm, ich rege mich über die Heizung auf, die nicht aufhört zu heizen wie blöde, und ich poltere laut und ein wenig wütend aus dem Camper raus, was die Kühe in alle Richtungen davon springen lässt.

Ich reiße mich zusammen und gehe zaghaft zum Zaun, werde aber äußerst skeptisch beäugt und beschnüffelt. In dem Moment bin ich mir nicht sicher, wer hier wen gruseliger findet, ich habe ja Angst vor Kühen.

Bevor wir uns aber näher kennenlernen und anfreunden können ist Abfahrt. Wir knipsen noch ein paar Bilder von der Örtlichkeit, dann machen wir uns auf den Weg.

Selbst in den Niederlanden ist diese Oktoberfest-Seuche anscheinend schon angekommen.

An der Grenze auf der B402 finden Grenzkontrollen statt, der Verkehr wird auf eine Spur umgeleitet und stark abgebremst. Heute werden allerdings alle durchgewunken bzw. überhaupt nicht beachtet.

Und kaum sind wir in Deutschland, gibt’s schon die erste Straßensperre.

Um halb Sechs sind wir bei uns zuhause und Räumen das Auto aus. Wir sind ganz froh, dass wir heute schon durchgefahren sind, denn das Wetter war ganz angenehm. Morgen soll es stürmisch sein und den ganzen Tag regnen, da macht die Autobahn-Fahrerei noch weniger Spaß. Und außerdem ist heute Feiertag, da war auch nicht ganz so viel los und wir sind gut durchgekommen.

Natürlich haben wir auch ein paar Mal angehalten. Ich habe viel Kaffee getrunken, der wieder raus wollte, wir hatten zwischendurch Hunger, das Auto brauchte Sprit und wir wechselten uns beim Fahren ab. Insgesamt haben wir sechs Mal angehalten, da kam einiges für die Rastplatz-Galerie zusammen.

566 Kilometer sind wir heute gefahren. Die komplette Tour war 2.403 Kilometer lang.

Karte

Auf der Karte sieht der Trip so aus:

Author

dark*

Immer gerne auf Tour, am liebsten im Norden

3. Oktober 2025