Dampflok, ein Dampfschiff und ein Bauernhof

Wir besuchen das Eisenbahnmuseum der Dampftram in Hoorn, fahren nach Enkhuizen, um das Dampfschiff zu knipsen und dann über den Markerwaarddijk weiter. Der nächste Tag ist überwiegend Ruhetag mit einem Spaziergang entlang von Wiesen und Feldern.

Tag 9: Unter Dampf

Mittwoch, 24. September 2025

Wir haben hier in Hoorn in der Marina übernachtet, weil wir heute zur historischen Dampftram wollen. Zunächst hatten wir sogar überlegt mitzufahren, aber die Idee haben wir mittlerweile wieder verworfen.

Es gäbe zwei Möglichkeiten für uns: Mit dem Dampfzug nach Medemblik und zurück, Abfahrt 10:40 Uhr und um 15:30 Uhr wären wir wieder zurück. Die Alternative wäre mit dem Zug bis Medemblik zu fahren, dann mit dem Dampfboot bis Enkhuizen und dann mit der regulären niederländischen Bahn NS zurück nach Hoorn.

Da uns beides nicht so recht passt und mir der Zug vielleicht auch viel zu voll ist, haben wir eine Planänderung beschlossen. Wir gehen jetzt zum Zug und ins Museum, das dazugehört. Dann fahren wir mit dem Auto nach Enkhuizen und gucken uns dort das Dampfschiff an, gehen einkaufen usw. Die Zeit kriegen wir schon rum, bis das anlegt. Und von Enkhuizen aus können wir direkt über den Markerwaarddijk auf den Flevopolder fahren.

Aber erstmal Kaffee, Frühstück und wach werden mit einem sonnigen Blick aus dem Camper. Außerdem muss der Herr Lebensabschnittsgefährte dem Hafenmeister einen Besuch abstatten. Bei der Anmeldung gestern über die Webseite hat er sich bei seiner E-Mail-Adresse wohl vertippt, weswegen wir keinen Code für das Tor zugeschickt bekommen haben. Und ohne diesen kommen wir hier nicht raus, wir sind quasi gefangen. Aber kein Problem, der Hafenmeister druckt ihm den Code aus.

Das Museum befindet sich natürlich direkt am Bahnhof. Dort gibt es einen großen, ziemlich engen und wuseligen Parkplatz, auf dem wir aber auch mit unserem großen Auto noch einen Platz am Rand finden.

Vor dem Museum ist großer Andrang, eine lange Schlange Wartender hat sich gebildet. Ich will da jetzt erstmal nicht rein, das ist mir zu voll. Ich bin ganz froh, dass wir uns gegen eine Mitfahrt entschieden haben.

Wir müssen ohnehin noch zum Parkautomaten, um ein Ticket zu ziehen. Und dann warten wir noch ein wenig, bis sich die Schlange am Eingang aufgelöst hat, bevor wir ins Museum gehen.

Das Außengelände ist mit vielen alten Stücken dekoriert.

Derzeit tummeln sich noch viele Fahrgäste auf dem Gelände, die aber größtenteils auch schon dabei sind, in den Zug zu steigen. Wir gehen ganz an das Ende des Bahnsteigs und bewundern erst einmal die Lok. Leider zieht sie den Zug rückwärts, weswegen sie nicht in voller Pracht zur Geltung kommt.

Eigentlich kann man auch in den Führerstand rein und der Heizer erklärt einem dort, wie die Dampflok funktioniert. Aber das weiß ich alles und so verzichte ich darauf und begnüge mich mit einem Photo.

Derweil ist der Mann schon dabei, in das Innere eines Waggons hinein zu knipsen. Der erste Waggon hinter der Lok ist fast leer, da kann man ganz ungeniert die Kamera zücken. Und im Bistrowagen drehen uns alle den Rücken zu. Diesen habe ich mir aber auch etwas spannender vorgestellt.

Gleich fährt der Zug ab. Der erste Wagen hinter der Lok ist übrigens für Fahrräder. Schwarzer Dampf kommt aus der Lok, als sie sich langsam in Bewegung setzt.

Auf dem Bahnhof ist nun Ruhe, ein paar Leute sitzen noch vor dem Bahnhofsgebäude an den Tischen des Cafés dort, vermutlich überwiegend Mitarbeiter, die eine Pause nach dem Ansturm machen.

Wir können uns jetzt in aller Ruhe das Museum ansehen.

Vor der Wagenhalle stehen zwei Fahrzeuge, eine Lok, die gerade lackiert wird, und ein Kranwagen, von dem ich keine Ahnung habe, wofür der eingesetzt wird.

Die erste Halle, in die man kommt, ist eine Ausstellungshalle. Hier steht die älteste Dampftram von 1881 herum. Hinter der Dampflok No 23 wird gerade ein Waggon neu aufgebaut. Im hinteren Teil der Halle stehen weitere alte Loks.

In der zweiten Halle stehen ganz viele Loks und ein erste-Klasse-Waggon von 1890. In diesen darf man natürlich nicht hinein, aber die Türen sind geöffnet, so dass man hineinschauen kann. Welch ein Luxus, quasi eine kleine 2-Zimmer-Wohnung zum Reisen zu haben. Im vorderen Teil stehen ein Tisch und drei Stühle, außerdem ein Sofa, auf dem vermutlich auch noch eine Person schlafen kann. Im hinteren Raum ist das Bett und Platz für das Gebäck. Außerdem gibt es einen Holzkohleofen, um den Wagen zu beheizen.

Die Loks in der Wagenhalle kann man leider nur von oben sehen oder von vorne durch die geöffneten Tore. Aus der Nähe gibt es die vermutlich nur im Rahmen einer Führung, auf die wir aber keine Lust haben. Die sehen auf jeden Fall alle ganz toll aus und sind wirkliche in paar hübsche Schätzchen.

Am Ende unserer Runde schauen wir uns noch das Stellwerk an. Ein Mitarbeiter kommt mit. Da das Stellwerk noch in Betrieb ist, lässt man hier vermutlich die Leute nicht einfach alleine. Nicht dass noch jemand auf die Idee kommt an einem der vielen Hebel zu ziehen und damit eine Weiche, ein Signal oder die Schranke für die Fußgänger zu verstellen. Vor der Wagenhalle werden die Weichen sogar noch von Hand verstellt.

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick in die Ausstellungshalle im Bahnhofsgebäude. Dort ist anhand einer Zeitleiste die Geschichte der Dampftram aufgezeigt.

Auf der Karte von 1898 ist noch deutlich mehr Wasser südlich von Rotterdam zu sehen, als das heute der Fall ist.

Nach dem Musemsbesuch machen wir uns auf den Weg nach Enkhuizen. Dort kommt am frühen Nachmittag das Dampfschiff Friesland an. Erst aber gehen wir einkaufen, ein paar unserer Vorräte gehen zur Neige.

Da man in den Niederlanden kaum ein paar Meter laufen kann, ohne auf Wasser zu stoßen, gibt es natürlich auch beim Weg vom Parkplatz zum Supermarkt ein paar Schiffe, Brücken und Enten zu knipsen.

An einer der Grachten tummeln sich ein paar Enten. Ich glaube, das sind Moschusenten. Als ich stehen bleibe, um die zu knipsen, kommen die direkt alle auf mich zu, eine davon sogar an Land zu Fuß und bleibt vor mir stehen. Die sind vermutlich verwöhnt von Touristen.

Im Hafen neben dem Parkplatz, auf dem wir stehen, liegt bereits das Dampfschiff. Das Anlegen haben wir also verpasst. Mittlerweile dampft es auch nicht mehr, sondern bezieht Landstrom. Wir verstauen erst unsere Einkäufe im Auto, dann gehen wir noch einmal gucken.

Ein wirklich schönes Schiff. Für heute haben wir allerdings auch genug gesehen. Unsere Tour führt jetzt weiter über den Markerwaarddijk auf den Flevopolder. Mitten auf dem Damm halten wir kurz auf einem Parkplatz und gucken den Kite-Surfern zu.

Direkt am anderen Ende des Damms wäre ein Wohnmobilstellplatz. Aber der ist uns mit der Straße und vor allem der Brücke direkt daneben zu laut. Der nächste ist leider erst in Almere. Eigentlich hatten wir gar nicht vor, so weit zu fahren, aber nun ist es so. Wir stehen wieder in einer Marina. Hier ist es angenehm ruhig und wir können morgen früh unser Grauwasser entsorgen und uns mit Frischwasser versorgen.

97 Kilometer sind wir heute gefahren. Die Kartenansicht ist am Ende des Beitrags.

Tag 10: Entspannung auf dem Bauernhof

Donnerstag, 25. September 2025

Auch in dieser Marina haben wir herrlich ruhig geschlafen. Wir stehen ganz gerne in den Yachthäfen. Wir lassen uns morgens Zeit, erst gegen 11 Uhr verlassen wir den Platz.

Eigentlich haben wir heute überhaupt keine Lust, uns schon wieder irgendetwas anzugucken. Ein Tag voller Nichts wäre ganz schön. Aber einen zweiten Tag in der Marina wollen wir auch nicht bleiben. Bei der Stellplatzsuche machen wir einen Bauernhof ausfindig, auf dessen Gelände Stellplätze zur Verfügung stehen. Den steuern wir an.

In dem Gewässer, das wir gerade überquert haben, gibt es zwei Inseln mit witzigen Namen: De Natte Hond und De Dode Hond, Der Nasse Hund und der Tote Hund.

In unser Auto hat sich ein Passagier eingeschlichen, der nicht auf der Buchungsliste steht. Ich hoffe, er hat den Abflug aus dem Fenster während der Fahrt gut überstanden.

Ich habe schon während der Fahrt gar keine Lust mehr zu knipsen, ich bin müde und ein wenig übersättigt von Brücken, Flüssen, Kanälen und Deichen. Und Blesshühnern. Ich habe noch nie so viele Blesshühner gesehen wie hier in den Niederlanden.

Wir auch immer, gegen Mittag sind wir auf dem Stellplatz und machen erstmal gar nichts außer essen und lesen. Und die Vögel auf der Wiese neben dem Camper knipsen.

Gegen 16 Uhr raffen wir uns dann doch mal zu einem Spaziergang auf. Bei der Ankunft habe ich gesehen, dass auf der anderen Straßenseite zwei Esel wohnen, die gehen wir zuerst besuchen. Auf dem Weg dorthin begegnen wir ein paar Ziegen, die die Bäume kahlfressen.

Danach geht es weiter auf einem Weg zwischen den Wiesen, die hinter den Höfen und auch hinter unserem Stellplatz liegen. Dort ist alles hübsch in Rechtecke aufgeteilt, jeweils getrennt durch kleine Wassergräben, an denen rechts und links ein kleiner Schilfgürtel ist.

Die Wiesen und Gräben werden bevölkert von Gänsen, Enten, Schwänen sowie den obligatorischen Blesshühnern. Greifvögel drehen ihre Runden, Kiebitze sind unterwegs und sogar Große Brachvögel haben wir gesehen. Hinzu kommen Hasen und Kleinsäuger und auch ein paar Singvögel, die wir überwiegend gehört und nicht gesehen haben. Zwischendurch dreht ein Trupp Stare seine Runden. Auf weiter hinten gelegenen Wiesen stehen Schafe bzw. Kühe.

Der Weg zurück führt uns über den Hof des landwirtschaftlichen Betriebes. Ein wenig kommen wir uns da wie Eindringlinge vor. Aber selbst die Hofkatzen bleiben entspannt.

Zurück im Camper schwimmt kurz vor Dunkelwerden ein Schwan bei uns vorbei. Er hat sich beharrlich geweigert, in unsere Richtung zu gucken. Wir sind unentschlossen, ob es sich um einen jungen Höckerschwan oder einen Singschwan handelt, tendieren aber zu letzterem.

Nach diesem beschaulichen Tag gehen wir bald ins Bett. Früher als die Kühe jedenfalls, bei denen brennt nämlich um 22 Uhr noch Licht.

Irgendwann ist es aber doch aus und dann herrscht völlige Ruhe hier.

85 Kilometer sind wir heute gefahren.

Karte

Auf der Karte sehen die zwei Tage so aus: