Fahrt durchs Landesinnere

Wir fahren durch die Berge bis zu einem Dorf, in dem wir eine Zeitreise zurück in die 80er Jahre unternehmen. Eigentlich wollte wir nur Postkarten kaufen.

Frühstück und auf geht’s

Montag, 29. Dezember 2025

Wir haben bestens geschlafen und frühstücken ausführlich.

Alain, der Campingplatzbesitzer kommt morgens zu unserem Fahrzeug. Wir mutmaßen, dass er neugierig ist, wie wir in dem PickUp hausen. Wir entschuldigen uns, dass wir diesmal nicht angerufen haben, aber er meint, er hätte uns eh in der Kamera ankommen sehen. Nach ein wenig Smalltalk und Bezahlung für die Nacht fährt er wieder und wir machen uns bald auf den Weg.

Die Strecke, die wir morgens fahren, kennen wir ja bereits von vorgestern. Heute fahre ich und der Mann knipst allerlei Zeugs in und auf den Felsen.

Wir haben die Abfahrt ins Landesinnere verpasst und müssen ein Stück zurück. Die Straße im Landesinneren ist ziemlich gut ausgebaut. Fast ist es langweilig, hier zu fahren.

Fahrt nach Asco

Wir nehmen den Abzweig Richtung Asco, was unser nächstes Ziel ist, die Straße folgt einem Fluss. Wir halten noch einmal für Photos.

Ab da wird es halsbrecherisch. Die Straße wird immer schmaler, auf der Beifahrerseite geht es fest senkrecht nach oben, auf der Fahrerseite ebenso steil nach unten. Wir fahren durch eine atemberaubende Schlucht.

Ich bin so sehr damit beschäftigt, zu gucken, zu staunen, das alles toll und gruselig zu finden, dass ich kaum Photos mache.

In Asco suchen wir uns einen Platz, an dem wir unser Auto abstellen können. Wir wollen ein wenig durch den Ort schlendern.

Wir hätten auch gerne lokales Zeug gekauft, beworben wird hier beispielsweise Honig, aber alle Geschäfte sind zu. Lediglich die Post hat geöffnet und ich schlage vor, dass wir von hier aus die Karten an die Familie verschicken.

Zeitreise in die 80er Jahre

Wir betreten das Gebäude mit der Post. Allein das ist für jemanden aus dem gut durchorganisierten und sterilen Deutschland eine Erfahrung für sich. Immerhin hing ein Zettel an der richtigen Tür.

Wir öffnen die Tür zur Post und betreten die 80er Jahre. Im Raum ist ein Tresen, hinter dem eine ältere Frau steht; zwei weitere Damen halten sich zur Unterhaltung diesseits des Tresens auf. Außer der Postmitarbeiterin steht ein alter Olivetti-Kopierer hinterm Tresen, wie ich ihn seit meiner Ausbildung nicht mehr gesehen habe. Die Wände sind übersät mit Zetteln mit Informationen, Preistafeln usw.

Die Sprachbarriere ist groß. Der Mann spricht zwar ein wenig Französisch, hat aber kein Wort von dem korsisch verstanden, was die Frau sprach. Immerhin steht ein kleiner Ständer mit einer handvoll Postkarten auf dem Tresen und wir zeigen darauf. Alles klar, wir haben jetzt Zeit, welche auszusuchen.

Es gibt nur drei oder vier zur Auswahl. So groß ist das Dorf ja nicht, dass man da zig Postkartenmotive knipsen könnte. Wir suchen zwei aus, dann folgt die nächste Hürde: Wir brauchen Briefmarken nach Deutschland.

Auweia. Eine der drei Frauen hat ewig einen Aushang mit AGB an der Wand studiert. Die hinterm Tresen hat erst ewig telephoniert, dann im Internet nachgeguckt, was eine Postkarte nach Deutschland kostet. In der Zwischenzeit gucke ich mich ebenfalls um und entdecke den Schriftzug über der Tür, die rechts vom Tresen ist: Bibliothek. Die Tür steht offen, ich knipse hinein.

Ich traue mich nicht, in der Post zu knipsen, weil ich die Frauen nicht photographieren bzw. im Blog veröffentlichen will. Wegen der Sprachbarriere kann ich auch nicht fragen. Einfach so fremde Leute in einem kleinen Raum zu knipsen, finde ich unhöflich.

Der Preis für die Briefmarken ist endlich ermittelt, wir müssen bezahlen. Um den Vorgang zu vereinfachen, kippen wir einfach unser gesamtes Kleingeld aus beiden Geldbörsen auf die Theke und die Mitarbeiterin nimmt sich daraus, was die Karten und die Briefmarken kosten.

Geschafft!

Wir gehen zum Auto zurück und schreiben die Postkarten, kleben die Marken darauf und laufen dann nochmal zum Briefkasten bei der Post, um sie einzuwerfen.

Fahrt zurück ins Tal

Wir essen noch ein paar Kekse am Auto, dann machen wir uns auf den Rückweg. Noch weiter rein ins Gebirge möchte ich nicht mehr. Auf der Fahrt hierher war teilweise schon ein wenig Reif und Eis auf der Fahrbahn. Zusammen mit den Abgründen neben dem Auto fand ich das nur mittelspaßig.

Damit ich nicht die ganze Zeit am Abgrund sitzen muss und tausend Tode sterbe, fahre ich.

Ich halte sogar direkt neben der Kuh und lasse das Fenster herunter, damit der Mann knipsen kann. Die wird mir schon nicht auf den Schoß springen.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte macht auch mehr Bilder als ich. Zwischendurch halten wir noch in einer kleinen Haltebucht, um ein paar Photos zu schießen.

Zurück im Tal halten wir am erstbesten Parkplatz und machen uns ein verspätetes Mittagessen.

Fahrt bis zur Küste

Den Rest des Tages fahren wir nur noch. Einmal halten wir kurz an, um etwas zu knipsen, was mir bereits auf dem französischen Festland aufgefallen ist. Überall in den Pinien sind Gespinste. Das sieht bisweilen aus wie in einem Gruselfilm, als würden da etliche Riesenspinnen auf einmal schlüpfen und die Weltherrschaft an sich reißen. Laut Wikipedia ist es aber nur der Pinien-Prozessionsspinner.

Zwischendurch tauchen immer wieder die schneebedeckten Bergspitzen auf. Die kann ich hundertfach knipsen, ich finde die so schön.

Und plötzlich … Wir halten an. Gang raus, Kupplung loslassen und Stille. Der Motor ist aus. Die Start-Stopp-Automatik funktioniert. Das hat sie schon seit Jahren nicht mehr gemacht! Offensichtlich gefällt Bert das Cruisen in den Bergen.

Die Sonne geht unter. Wir sind noch ziemlich hoch und blicken von oben auf die Wolken. Auch das ist immer wieder ein faszinierender Anblick.

Am Ortsausgang von Albertacce sehen wir die ersten Schweine auf Korsika! Bisher haben wir nur Spuren von denen gesehen, jetzt endlich auch mal die Schweine selbst. Die korsischen Schweine leben hier frei auf der Insel. Eine Gruppe von drei Eseln sehen wir auch noch am Straßenrand.

Bis zum anvisierten Stellplatz für die Nacht fahre ich - hinein in die Abenddämmerung und ins Dunkel.

Ein Vogel fliegt auf Kühlerhöhe vor unser Auto in die Mitte der Straße, fliegt ein Stück voraus und setzt sich dann auf die Mauer, die die Straße begrenzt. Eine Zwergohreule, wie niedlich.

Die Straße, auf die wir jetzt einbiegen müssen, wird für ein Gewicht von maximal 3,5 Tonnen ausgeschildert und man soll mindestens 200 Meter Abstand zum Vordermann halten. Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet.

Außer den Ziegen sind es vor allem enge Kurven und schmale Straßen. So ganz erschließt sich uns die Beschilderung nicht. Aber da wir ohnehin ganz alleine sind und das zulässige Gesamtgewicht von Bert nur 3,2 Tonnen beträgt, machen wir uns weiter keine Gedanken.

Wir erreichen den gewünschten Parkplatz im Stockdunkeln. Ein richtiger Parkplatz ist das nicht, eher plattgefahrenes Gelände zwischen Bäumen. Wir sind ein wenig orientierungslos und stellen uns in eine Bucht, wo wir hoffentlich nicht im Weg sind, falls hier doch mal jemand vorbeikommt.

Wir sind ziemlich fertig und legen uns direkt nach dem Abendessen hin. Es läuft das übliche Programm, Podcasts hören und Serie gucken.

Statistik

199 km Kilometer sind wir an diesem Tag gefahren.

Karte

Auf der Karte sieht das so aus:

Video

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Author

dark*

Immer gerne auf Tour, am liebsten im Norden

29. Dezember 2025