Korsische Geschichte und der östlichste Punkt

Der östlichste Punkt Frankreichs, ein ehemaliger Königssitz, eine geschichtsträchtige Brücke und jede Menge Vieh auf der Straße.

Der östlichste Punkt Frankreichs

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Es hat wieder die ganze Nacht geregnet. Am Morgen lässt der Regen allerdings nach. Wir lassen uns Zeit und machen uns erst weit nach 10 Uhr auf den Weg.

Die geographischen Extrempunkte Korsikas sind schwer zu finden. Immerhin habe ich den östlichsten unweit von uns ausfindig gemacht. Das ist nicht nur der östlichste Punkt der Insel, sondern des gesamten französischen Staatsgebietes. Die anderen drei Punkte liegen vermutlich auf kleinen Inseln, die der Hauptinsel vorgelagert sind.

Der östlichste Punkt jedenfalls liegt am Strand und da gehen wir jetzt hin, sofern wir das schaffen. Der Weg ist stellenweise überflutet und an einem Punkt kommen wir nicht mehr weiter. Laut Screenshot sind es nur noch 550 Meter.

Wir gehen ein kurzes Stück zurück und dann am Strand weiter. Dort ist es ein unscheinbarer schmuckloser Strandabschnitt, an dem das Land etwas mehr ins Meer hinein ragt. Ich nehme ein kurzes Video auf, dann gehen wir wieder zurück.

Cervione

Königssitz im Königreich Korsika

Unsere nächste Station ist die Stadt Cervione. 1736 war Korsika für ein paar Monate ein Königreich unter König Theodor I. Der hatte einen seiner Generäle, einen Korsen, hinrichten lassen, weswegen ihm die Korsen Blutrache schworen, zum Teufel jagten. Cervione jedenfalls war Sitz eben dieses Königs und deswegen wollen wir uns den Ort ansehen.

Leider wird daraus nichts. Auf der Karte sind zwar Parkplätze im Ort eingezeichnet und die steuern wir auch an. Aber dieser Ort ist an Steilhänge gebaut, hat super enge und steile Straßen und alles voller geparkter Autos der Einheimischen. Wir kommen kaum durch und irgendwann nicht mehr weiter. Zum Wenden ist aber auch kein Platz, so dass wir rückwärts wieder raus müssen.

Ach du meine Güte! Wir haben uns fast festgefahren. Auf einem reservierten Parkplatz haben wir genug Platz zum Wenden und können wieder vorwärts weiterfahren. Meine Lust, einen anderen Parkplatz zu suchen und mir den Ort noch anzugucken, geht gen Null.

Wir fahren wieder vom Berg runter, halten am Ortsausgang noch kurz für ein Photo mit der Aussicht auf das Meer und dann reicht’s.

Weiterfahrt nach Norden

Mit Ziegen, Geröll, Hunden und Kühen auf der Straße

Zwei Punkte stehen als nächstes auf unserer Agenda: Einkaufen und ein Abstecher ins Landesinnere.

Seit wir auf der Insel sind, haben wir schon einige Straßenschilder mit Einschusslöchern passiert. Da wundert es mich nicht weiter, dass auf einem Parkplatz, auf dem wir fürs Mittagessen halten, Hülsen der Schrotmunition liegen.

In den Bergen sehen wir wieder mehrere kleine Erdrutsche. In den Ortschaften laufen oft Hunde frei rum, von denen ich immer noch nicht weiß, ob die jemandem gehören oder nicht.

In dem kleinen Ort ist ein kleiner Supermarkt, in dem wir ein paar Sachen noch kaufen wollen. Wir wundern uns, dass die Verkäuferin schon in der Tür steht, bevor wir unser Auto eingeparkt haben. Später im Laden knipst der Herr Lebensabschnittsgefährte den Bildschirm der Überwachungskamera. Da war wohl jemand neugierig, was für ein Gefährt da vor der Tür parkt.

Es geht weiter in die Berge, auf der Straße sind des öfteren Kühe unterwegs.

Ponte Novu

Noch ein Stück korsische Geschichte

Ein paar Jahre nach der Königsgeschichte, Korsika war wieder unter der Herrschaft der Genuesen, wurde die staatliche Unabhängigkeit ausgerufen und eine Verfassung geschrieben, was den Genuesen zu blöd war und sie verkauften die Insel an Frankreich, was wiederum die Korsen blöd fanden. In der Gemengelage wurde rund um diese Brücke die entscheidende Schlacht geschlagen, in der die Korsen ihre Unabhängigkeit verloren. Bis heute. Und das stößt bis heute einigen Korsen bitter auf, weswegen zum Beispiel auch auf so vielen Wegweisern die französischen Namen der Ortschaft durchgestrichen sind.

Es regnet in Strömen. Wir springen nur kurz aus dem Auto, knipsen die Brücke und gehen wieder zurück ins Trockene. Gerne hätten wir uns den Ort noch ein wenig angeguckt, aber der Regen ist wirklich zuviel des Guten, wir fahren weiter.

Fahrt zum Stellplatz

Regen, Stau und Finsternis

Der Stellplatz, den wir uns ausgesucht haben, ist ganz im Norden. Wir müssen zunächst wieder zurück an die Küste. Da fahren wir durch die Hafenstadt Bastia und stehen im Stau. Haben die denn alle kein Zuhause? Es ist schließlich der 24. Dezember, da hätte ich etwas weniger Verkehr auf den Straßen erwartet.

Anschließend geht es noch ein Stück an der Küste entlang und an der Nordspitze oben nochmal quer durchs Land zu dem kleinen Ort Tollare, der an der Nordspitze liegt. Es ist stockfinster und regnet in Strömen. Auf den letzten Metern ist im Licht der Scheinwerfer kaum noch etwas zu erkennen. Die Straße ist sehr schmal und kurvig und in einem nicht so guten Zustand, außerdem voller Wasser, Sand, ein wenig Geröll.

Geknipst habe ich nicht, aber die GoPro lief ein Stück mit. Daraus habe ich zwei Einzelbilder extrahiert.

Um 18 Uhr sind wir am Stellplatz. Der ist mit einer Schranke zu und man muss einen Touchscreen bedienen. Der funktioniert aber nicht. Es regnet und es geht ein ziemlich heftiger, kalter Wind. Wir stehen vor der Schranke und ich versuche, mich auf dem Smartphone bei der Firma zu registrieren, die die Zahlungsabwicklung hier macht. Irgendwann klappt es endlich, um 18:15 Uhr stellen wir unser Auto ab und knipsen den Tacho.

Und endlich gibt es etwas zu essen. Es ist schließlich Heiligabend. Frohe Weihnachten!

Statistik

182 Kilometer sind wir an diesem Tag gefahren.

Karte

Auf der Karte sieht das so aus:

Video

Ab morgen gibt’s hier auch noch ein Video zu dem Beitrag.

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