Fährüberfahrt, Strandspaziergang und verzweifelte Stellplatzsuche
Nach der Überfahrt geht’s erstmal an den Strand. Dort dann der Schock: Es gibt kaum Campingplätze, die im Winter geöffnet haben!
Auf der Fähre
Sonntag, 21. Dezember 2025
Was für ein Chaos im Hafen von Toulon! Vor der Zufahrt zu den Lanes ist ein winziger Kreisverkehr, der zwar theoretisch dreispurig ist, auf dem praktisch aber nur zwei moderne Autos nebeneinander Platz haben. Und natürlich werden wir erst einmal weggeschickt, wir sind nämlich zu früh und dieser Kreisverkehr ist das Nadelöhr für die Zufahrt zu zwei verschiedenen Fähren von denen mindestens eine zwei verschiedene Häfen ansteuert. Die Reisenden müssen irgendwie sortiert werden und das geschieht an der Ausfahrt von diesem Kreisverkehr. Wir kommen nicht rein, sollen irgendwo parken und später wiederkommen.
Der Parkplatz direkt am Hafen ist sehr eng, aber wir finden eine Lücke, in die wir unser Auto stellen können. Wir kriechen hinten rein und packen unseren Rucksack für die Fähre, essen noch eine Kleinigkeit und warten ab.
- Blick aus dem Camper
- Blick auf die Fähre
- Aufkleber Frontscheibe
Um zehn vor Sechs checken wir ein. Bert bekommt einen Aufkleber auf die Scheibe verpasst und wir bekommen einen mit der Kabinennummer, den ich hinten auf meine Smartphonehülle klebe. Dann fahren wir zum und aufs Schiff, das übrigens Mega Andrea heißt.
In der Kabine angekommen räumen wir unseren Rucksack aus und drappieren den ganzen mitgeschleppten Plunder auf dem wenigen Mobilar, um festzustellen, dass ich Vollidiot die falschen USB-Kabel eingepackt habe. Wir können die Smartphones nicht laden. Alles, was ich eingepackt habe, hat USB-C-Stecker, wir brauchen aber einen USB-A-Stecker für das Netzteil. Nur ein Micro-USB-Kabel habe ich dabei, das funktioniert. Ich könnte meine Tastatur, die GoPro oder meine Kopfhörer laden. Ungut. Da wir die Smartphones für Entertainment am Abend und Navigation am nächsten Morgen brauchen, muss eine Lösung her.
Beim Blick aus dem Fenster stellt der Herr Lebensabschnittsgefährte fest, dass immer noch Autos auf die Fähre fahren. Wir waren nämlich unter den ersten, weil wir bis Propriano weiterfahren, die anderen aber in Ajaccio die Fähre verlassen. Also geht der Mann noch einmal zum Autodeck und holt ein USB-Kabel aus dem Auto. Bloß gut, dass Bert so groß ist, mittlerweile ist das Autodeck nämlich ziemlich voll und da ist ein großes Auto natürlich einfacher zu finden.
- Kojen
- Abendbrot
- Keine Chips ins Klo!
Zum Abendbrot gibt es den Rest von unserem unterwegs gekauften Baguette mit Käse und Schokolade aus dem Adventskalender. Später pilgert der Mann nochmal los in den Bordershop und kommt mit Chips zurück. Die schmeißen wir aber natürlich nicht ins Klo. Jedenfalls nicht direkt, die werden erstmal gegessen.
Durchsage um 19 Uhr: Wegen der Wetterbedingungen sollen die Leute nicht an Deck gehen und sich natürlich erst recht nicht über die Reling lehnen. Außerdem sollen Eltern auf ihre Kinder aufpassen. Und es wird betont, dass die Fährgesellschaft nicht haftet, falls doch etwas passiert.
- Gischt
Das Schiff schaukelt übers Mittelmeer. Es rollt und klappert, ich werde müde. Ich finde es total cool, abends einzuschlafen und morgens woanders aufzuwachen. Ich fahre auch gerne mit Nachtzügen, aber leider gibt es davon nicht mehr so viele. Ich wäre auch mit einem Nachtzug von Hamburg bis Basel gefahren. Es gab da zumindest mal einen, ich weiß aber nicht, ob der noch fährt. Als wir nach Rostock gezogen sind, habe ich mich mal erkundigt. Die Fahrt hätte rund 1000 Euro gekostet. Dafür kann ich unterwegs dreimal übernachten und habe trotz hohem Spritverbrauch noch Geld gespart. Das ist nicht wirklich attraktiv.
Wir sind auf Korsika!
Montag, 22. Dezember 2025
Wir werden wach, als wir in Ajaccio ankommen. Ajaccio ist die Hauptstadt der Insel. Das Schiff hält hier, lässt ein paar Passagiere raus und fährt dann weiter nach Propriano
- Blick aus dem Kabinenfenster
Der Mann ist geduscht und tageslichttauglich und geht an Deck. Da gibt es zwar noch kein Tageslicht aber dennoch einiges zu knipsen.
- Treppenhaus im Schiff
- Hafen
- Die Lichter der Stadt
- Anleger
- Pilot
- Gang
In der Zwischenzeit fülle ich weiter Kaffee in meinen Körper und gehe duschen.
Die Kabine ist zwar ziemlich spartanisch, aber es fehlt uns an nichts. Ein Highlight in der Ausstattung hat sie durchaus: Das ist die erste Kabine auf einer Fähre, die einen Abzieher in der Dusche hat. Oft kann das Duschwasser durch das ganze Bad laufen, wenn man duscht. Da ist so ein Abzieher schon hilfreich, um nicht nach dem Duschen im Nassen zu stehen.
- Abzieher
- Schalter und Lampe
- Made in Norway
An der Lampe über meinem Bett wurde genau so ein Schalter montiert, wie wir im Camper benutzen, um Lampen und USB-Dosen zu schalten. Und der Spiegelschrank im Bad kommt aus Norwegen. Witzig.
Um acht Uhr sollen wir die Kabine verlassen. Wir gehen an Deck und schauen aufs Land, einen ersten Eindruck von der Insel bekommen. Meer und Berge - die beste Kombination.
- Wechselhaftes Wetter
- Blick zurück
- Blick nach vorne
Wir fahren unter der Flagge Italiens, genaugenommen unter der Handelsflagge Italiens. Auf dem Schornstein des Schiffes ist der Maurenkopf abgebildet, das Symbol von Korsika und Sardinien.
- Flagge
- Kamin
- Ein Sonnenstrahl!
Von Ajaccio bis Propriano fährt man immer in Küstennähe mit Blick auf die Berge. Kurz vor dem Hafen sehe ich auf der Steuerbordseite einen Sandstrand. Da weiß ich aber noch nicht, dass wir gleich an genau diesem Strand sein werden. Wir fahren erstmal in den Hafen ein
- Strand
- Propriano voraus!
- Propriano, Mole, Leuchtfeuer
Das schlimmste an Fährüberfahrten ist ja das Warten, bis die Türen zu den Parkdecks aufgehen. Wir sollten um 08:00 Uhr die Kabinen verlassen. Jetzt ist es 09:30 Uhr und wir sind immer noch nicht bei den Autos. Da ist Geduld gefragt.
Aus den Lautsprechern plätschert klassische Musik. Ich kenne das Stück, komme aber zunächst nicht darauf, was es ist, vermute eine Rossini-Ouvertüre und stelle später fest, dass es die Ouvertüre von “La gazza ladra”, zu deutsch “Die diebische Elster” ist. Wikipedia sagt, dass diese Ouvertüre auf Schiffen der Reederei Corsica Ferries immer in den Häfen beim Ein- und Auslaufen gespielt wird.
- Frosch guckt raus
- Wartende Leute
Endlich im Auto sitzend, suche ich nach einem Parkplatz, wo wir in Ruhe ein zweites Frühstück einnehmen und uns sowie unseren Camper sortieren können.
Erstmal an den Strand!
Camper aufräumen, Stellplatz suchen
Wir steuern einen Parkplatz am Strand an. Dabei handelt es sich um jenen Strand, der oben auf dem Bild zu sehen ist, den Plage de Capu Laurosu. Wir räumen den Camper auf, die Winterjacken in die Dachboxen, dem Wetter angemessene Klamotten packen wir griffbereit in den Camper. Ich brauche Kaffee, wir planen unseren Trip, es gibt ein zweites Frühstück und wir wollen am Strand spazieren gehen.
- Blick aus dem Camper
Jeder, der am Auto vorbeiläuft oder fährt, guckt kritisch. Das ist ziemlich unangenehm. Das liegt aber daran, dass hier Freistehen und Wildcampen absolut verboten sind und die Einheimischen darauf auch überhaupt keinen Bock haben. In einschlägigen Apps, in denen immer wieder Parkplätze dafür vorgeschlagen werden, kann man in den Bewertungen lesen, dass man ständig angehupt und angeschrien wird, Leute gegen den Camper hauen und sogar von Steinwürfen ist da zu lesen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Wenn es verboten ist, dann lasst es halt und beschwert euch nicht noch. Mich würde es nicht wundern, wenn der eine oder andere von denen, die skeptisch geguckt haben, abends nochmal vorbeikommt, um zu gucken, ob wir noch da sind.
Nun ja, wir gehen erstmal an den Strand.
- Blick gen Süden
- Berge und Felsen
- Blick gen Norden
- Felsen und Möwen
- Felsen ohne Möwen
- Noch mehr Felsen
Auch am Strand ist die Vegetation etwas anders als bei uns zuhause. Ich habe keine Ahnung, was das für Pflanzen sind, von denen gibt es hier aber eine ganze Menge.
Nach unserem Strandspaziergang wollen wir die Route planen und kriegen erstmal einen Schock.
Wir sind ja auf viele Eventualitäten vorbereitet und haben schon so manches geregelt gekriegt, aber was wir so gar nicht auf unserer Bingokarte hatten: Wir finden keine Stellplätze, die zu dieser Jahreszeit geöffnet sind! Wir waren schon kurz davor, die Fähre umzubuchen und aufs Festland zurück zu fahren. Alternativ habe ich schon überlegt, die Lage auf Sardinien, das ja gleich nebenan ist, zu checken. Aber dann habe ich die Stellplatz-App genommen und mir jeden einzelnen Stellplatz angeguckt und die als Favoriten markiert, die nicht im Winter geschlossen haben. Viele sind es nicht, aber genug, dass wir damit arbeiten können. Wir passen unsere Route entsprechend an. Ich würde niemandem empfehlen, im Winter mit dem Camper nach Korsika zu fahren.
Mit der Betreiberin eines Stellplatzes telephonieren wir, aber die nimmt erst nach Weihnachten wieder Gäste auf. Wir wollen uns dann noch einmal melden und vielleicht später tatsächlich noch den Platz in Anspruch nehmen. Wir notieren die Nummer auf einem Zettel und legen diesen zu den Reiseunterlagen.
Während der ganzen Zeit auf dem Parkplatz, schon als ich im Auto die Klamotten sortiert habe, während des Strandspazierganges und als ich mit der Stellplatzsuche beschäftigt war, hat der Herr Lebensabschnittsgefährte Ausschau nach Vögeln gehalten und geknipst.
- Möwen
- Rotmilan
- Grünfink
- Zaunammern
- Zaunammer
- Buchfink
- Samtkopf-Grasmücke
- Schwarzkehlchen
- Schwarzkehlchen
Zwischendurch hat es auch noch geregnet und bevor wir losfahren, muss ich den Regenbogen knipsen.
- Regenbogen
Einkaufen und zum Stellplatz
bei 16 °C Außentemperatur
- 16 °C Außentemperatur
Dann können wir endlich los. Erstmal müssen wir aber Wasser kaufen. Ohne offene Campingplätze gibt’s auch nicht viel Trinkwasser, also kaufen wir vorsichtshalber welches in Fünf-Liter-Kanistern. Nicht dass wir nachher ohne Wasser dastehen. Im Supermarkt (Carrefour) ist es total entspannt. In zwei Tagen ist Heiligabend aber hier ist fast nichts los, an der Kasse ist eine Kundin vor uns. Es ist so entspanntes Einkaufen wie zuhause, wenn wir um kurz vor Sieben einkaufen gehen. Und das vor Weihnachten. Unglaublich.
Die Kassiererin verwickelt uns in ein Gespräch - mehr oder weniger. Sie fragt irgendetwas. Vermutlich die übliche Fragerei nach Kundenkarte, Bonus-App oder sowas. Aber wir verstehen halt nichts und sie versucht es mit Händen und Füßen, macht Flug- und Schlafgesten und wir checken gar nichts mehr. Und wie alle Franzosen stört sie das kein bisschen. Sie erzählt einfach in ihrer Sprache weiter, wir lächeln freundlich, warten bis sie fertig geredet hat und verabschieden uns.
Das haben wir während unseres Frankreich-Aufenthalts im Mai auch häufiger erlebt. Völlig unbeeindruckt davon, dass man ihnen gerade zu verstehen gegeben hat, dass man die Sprache nicht versteht, texten sie einen weiter zu. Es klingt immer sehr freundlich, könnten aber auch wüste Beschimpfungen in nettem Tonfall sein. Ich weiß es nicht, ich muss aber jedes Mal wieder darüber schmunzeln.
- Straße und Berge
- Berge
Anschließend fahren wir zu dem ersten Stellplatz, den ich ausfindig gemacht habe, der jetzt geöffnet ist. Das Navi sagt, für die 70 Kilometer braucht man 1,5 Stunden. Okay.
- Reparierte Kirche
- Ortschaft
- Ortschaft
Wir fahren quer über die Insel zur Ostküste. Enge Kurven, schmale Straßen, steil bergauf und bergab geht es die ganze Zeit. Ich frage den Herrn Lebensabschnittsgefährten: “Na, hast du Fahrspaß?” Seine Antwort ist eher verhalten. Das kann ich ja gar nicht verstehen, ich liebe solche Straßen! Also tauschen wir bei nächster Gelegenheit die Plätze und ich fahre weiter.
- Wasser und Sand
- Noch mehr Wasser
- Laub
Nach einer Weile wird es dunkel. Es regnet immer doller, auf der Straßen sind Unmengen von Wasser und Sand, der aus den Bergen gespült wird. Das erfordert jetzt doch schon einiges an Konzentration und wird langsam anstrengend.
Zwei Stunden benötigen wir für die 70 Kilometer. Mittlerweile ist es stockdunkel.
Der Platz ist ein Campingplatz, der im Winter günstiger ist, dafür weniger Service hat. Die Rezeption ist nicht besetzt, stattdessen muss man sich an einem Automaten anmelden und dort bezahlen. Der Automat spricht sogar Deutsch mit uns und hat eine ziemlich gute Führung durch die einzelnen Schritte, das klappt trotz Dunkelheit und strömenden Regen ganz zügig.
Der Platz an sich ist toll, vermutlich sind wir alleine. Wenn die Auswahl zu groß ist, wissen wir gar nicht wohin. Der Mann kurvt ein wenig hin und her und fährt, bis es fast nicht mehr weitergeht. Dann stellt er sich endlich in eine der vielen Camping-Buchten.
Im Camper gibt es erst einmal einen Tee und etwas zu futtern. Zumindest ist so der Plan. Aber leider funktioniert die neue Gaskartusche nicht und wir müssen auf den Zweitkocher ausweichen, den wir immer dabei haben. Aufgrund zahlreicher Erfahrungen sind wir mittlerweile ganz gut ausgestattet und es herrscht eine gewisse Redundanz der Gebrauchsgegenstände.
- Gaskocher
Für heute reicht’s. Hier wird nur noch gegessen und auf dem Smartphone rumgedaddelt und Serie geguckt und Podcast gehört und so Zeug gemacht. Und morgen stürzen wir uns dann ins nächste Abenteuer.
Statistik
Knapp 80 Kilometer sind wir an diesem Tag gefahren. Das kurze Stück vom Schiff zum Strand und vom Strand zum Supermarkt ist auf dem Tacho-Photo vom Vortag, weil wir mal wieder vergessen hatten zu knipsen und zu resetten. Das waren insgesamt rund 8 Kilometer.
- 71 km
Karte
Auf der Karte sieht das so aus:
Video
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