Tour durch France

Wir fahren an den Alpen vorbei bis zur Côte d’Azur. Die meiste Zeit nehmen wir Landstraßen, um mehr von der Landschaft zu sehen. Wir haben es nicht eilig, unsere Fähre geht erst am Sonntagabend.

Tag 7: Letzter Arbeitstag, ab nach Frankreich!

Freitag, 19. Dezember 2025

Der Blick aus dem Camper ist ein Blick auf den Friedhof. Das stört mich nicht sonderlich, da sind die ruhigsten Nachbarn, die man sich wünschen kann. Direkt hinter dem Friedhof ist eine Bundesstraße, die hat mich da schon mehr gestört, aber gut geschlafen haben wir dennoch.

Auf der anderen Seite, den Hang hinauf, sind Weinberge, die sind ebenfalls ruhig. Am Vormittag ist hier auch nicht viel los, der Herr Lebensabschnittsgefährte muss ja noch einen halben Tag arbeiten. Am Vormittag funktioniert auch endlich der Bezahlvorgang beim Drohnenführerschein.

Pünktlich nach dem Essen zu Urlaubsbeginn fängt es an zu regnen. Nur wenige Tropfen aber immerhin. Wir räumen den Camper auf und machen uns auf den Weg. Zuerst gehen wir einkaufen und dann nehmen wir die Verbindung über Land nach Frankreich.

Der Grenzübergang ist recht unspektakulär. Mitten auf der Brücke über den Rhein hängt eine französische Flagge und das war’s auch schon. Kurz danach fahren wir dann doch auf die Autobahn.

Das Wetter ist so mittelgut, die Strecke ist so mittelspannend. Viel zu berichten gibt es nicht, wir fahren und fahren.

Allzu weit fahren wir heute allerdings nicht, wir sind ziemlich müde. Für die Übernachtung haben wir einen Parkplatz bei Nancray ausfindig gemacht. Da gibt es einen Parkplatz eines Museums, auf dem Camper erlaubt sind. Es ist stockfinster, als wir da ankommen. Das Gelände ist ziemlich schräg, aber wir finden einen halbwegs geraden Platz. Immerhin ist der Platz (zumindest jetzt außerhalb der Saison) kostenlos und eine Entsorgungsstelle gibt es auch. Für uns ist es perfekt für eine Nacht auf der Durchreise.

Viel passiert hier heute auch nicht mehr, es gibt Abendbrot, wir spielen noch eine Runde Dominion und wir legen uns früh zu Bett, gucken noch was auf dem Handy.

Tag 8: Quer durch Frankreich

Samstag, 20. Dezember 2025

Es ist herrlich ruhig hier oben auf dem Hügel, wir haben wunderbar geschlafen und starten ausgeruht in den ersten Urlaubstag.

Bevor wir losfahren, nutzen wir noch die Entsorgungsmöglichkeit, dann machen wir uns auf den Weg. Wir haben beschlossen, so viel wie möglich Landstraße zu fahren. Wir haben Zeit, wir müssen uns nicht beeilen. Und über Landstraßen bekommt man halt mehr von der Gegend mit.

Die Gegend wirkt manchmal frühlingshaft, meist eher spätsommerlich bis herbstlich als winterlich. Nach dem Mittagessen übernehme ich das Steuer und der Herr Lebensabschnittsgefährte knipst.

Ein Blitzer steht am Straßenrand und blitzt. Ich war definitiv nicht zu schnell, wir sind angeschnallt und ich hatte auch kein Handy am Ohr. Auch der Abstand zum Vordermann sollte ausreichend sein. Sehr seltsam. Aber wir wissen auch nicht, ob unser Auto geblitzt wurde oder vielleicht der Vordermann. Da bleibt nur abwarten und hoffen, dass keine Post aus Frankreich kommt.

Kurz danach ist eine komische Situation. Wir sind auf einer einspurigen Straße, ich fahre. Von rechts kommt ein weiterer Fahrstreifen dazu, dort fährt ein Pkw quasi neben mir, exakt dieselbe Geschwindigkeit wie ich. Mir entgegen auf meinem Fahrstreifen kommt ein RTW mit Blaulicht und Lichthupe. Das Fahrzeug neben mir fährt unbeirrt weiter, hinter mir ist auch noch einer relativ dicht. Fahrstreifen wechseln oder scharf bremsen scheiden also aus. Ich habe keine Ahnung, wie sich ein Franzose verhält, irgendwann kann ich endlich rechts rüber und es ist natürlich alles gut gegangen. Aber blöd war’s schon.

Einen Stellplatz finden wir in Voiron. Laut Stellplatz-App ist das ein Privatgrundstück und der Landwirt hat nichts dagegen, wenn da zwei bis drei Camper stehen. Wir hoffen, dass die Angaben in der App stimmen und schlagen unser Nachtlager auf.

Von hier aus hat man einen tollen Blick durchs Tal und auf die Berge und die Wolken und den Dunst und den Nebel. Hach.

Leider wird die gute Stimmung ein wenig getrübt, die SIM-Karte in unserem Router funktioniert nicht mehr. Tests haben ergeben, dass die SIM auch nicht im Smartphone funktioniert, die Smartphone-SIM aber im Router. Es ist offensichtlich, dass die SIM nicht mehr in Ordnung ist.

Was tun? Ständig einen Hotspot mit einem der Smartphones laufen zu lassen, ist nun nicht die beste Lösung, zumal der Urlaub ja gerade erst anfängt. Glücklicherweise können unsere Smartphones auch eSIM. Der Mann bestellt bei seinem Mobilfunk-Anbieter eine eSIM für sein Smartphone, so dass er seine SIM in den Router stecken kann. Nur leider funktioniert die eSIM nicht und er muss morgen den Kundendienst anrufen.

Tag 9: Bis nach Toulon

Sonntag, 21. Dezember 2025

Wir sind ziemlich früh wach. Die eSIM im Smartphone des Herrn Lebensabschnittsgefährten funktioniert nun auf wundersame Weise.

Um acht Uhr machen wir uns bereits auf den Weg. Heute Abend geht die Fähre von Toulon aus nach Korsika. Zeit zum Rumtrödeln haben wir daher nicht.

Den ersten Stopp machen wir im ersten Ort, in dem wir eine Boulangerie am Straßenrand entdecken. Dort holen wir uns Schoko-Brötchen. Ich bin der Meinung, dass wir die Organisation frischer Croissants und/oder Schokobrötchen in unseren Tages-Rhythmus aufnehmen sollten, so lange wir in Frankreich sind, sofern die auf Korsika ebenfalls so weit verbreitet sind.

Nach dem Stopp fahre ich weiter.

Die Geschwindigkeitsangaben unseres Navis sind leider sehr unzuverlässig. In vielen Orten herrscht mittlerweile Tempo 30 und die Angaben der App sind da nicht up to date. Bleibt zu hoffen, dass nicht die dicke Rechnung später noch kommt. Anzumerken ist aber auch, dass sich von den Einheimischen kaum einer an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält. Die machen halt ihr eigenes Ding.

Wie weit fahren wir? Bis Côte d’ Azur.

Nach einer Weile machen wir einen Fahrerwechsel. Der Mann übernimmt das Steuer und ich knipse.

Neben uns auf der Landstraße läuft ein Wildschwein. Ich bin viel zu überrascht zum Knipsen und habe fasziniert das Schwein beobachtet. Vor lauter Wildschweinfaszination haben wir dem Navi nicht zugehört und ein Rechtsabbiegen verpasst. Also sollten wir die nächste rechts und landeten auf einer kurzen 4x4-Strecke. Mit einem normalen Pkw wären wir dort nicht langgekommen, aber wir haben ja Bert. Und wenn Bert funktioniert, funktioniert Bert hervorragend. Wir haben auch Esel entlang der Strecke neben der Straße gesehen. Aber auch von denen gibt es leider kein Bild.

Wir steuern eine Boulangerie in Peyruis an. Ein niedlicher kleiner Laden. Wir kaufen ein Baguette, denn Croissants gibt’s nicht mehr, es ist schließlich Sonntagmittag. Die Verkäuferin in dem Laden kramt ihre Reste von Schul-Deutsch raus und kann den gekauften Orangensaft immerhin als “Flasche Saft” bezeichnen. Sie ist wirklich sehr nett, man redet noch ein wenig Deutsch, Französich, mit Hand und Fuß, dann verabschieden wir uns.

Vor der Tür steht ein Foodtruck mit italienischen Käse- und anderen Spezialitäten. Gerne hätte ich Gorgonzola mitgenommen, der ist aber schon ausverkauft. Es gibt leider nur noch Ziegen- und Schafskäse. Wir haben dann Prosciutto Cotto gekauft und noch eine Packung Grissini geschenkt bekommen.

Die Gegend wirkt mittlerweile mediterran. Die Pflanzen sind anders und die Häuser alle beige. Außerdem wirkt es gar nicht winterlich, sondern eher herbstlich. Das Laub ist zwar vertrocknet, hängt aber noch an den Bäumen. Außerdem gibt’s viele Nadelbäume, das wirkt dann eh grün.

Wir brauchen Frischwasser und ich finde in der App einen Stellplatz, bei dem es das geben soll. Wir werden durch einen Ort mit engen, kurvigen Straßen gelotst und die Fahrt dauert ewig. Ich denke mir noch “Alter, hier fahren die alle mit ihren sieben Meter langen Wohnmobilen hin, das kann doch nicht sein.” Am Friedhof ist ein richtig schöner Wohnmobilstellplatz, der ziemlich gemütlich wirkt. Wir werden von einem Hund begrüßt.

Man kann zwar Abwasser entsorgen, aber Frischwasser gibt es leider nicht, stellen wir fest, als wir etwas auf dem Platz herum laufen.

Ein Typ kommt hinter seinem Wohnwagen hervor, während wir gerade an seinem Auto vorbeigehen und das Nummernschild inspizieren. Der hat nämlich ein Nummernschild aus Korsika, das ich in meine Nummernschild-Sammel-App eingeben will. Jedenfalls kommt der Typ und guckt ziemlich grimmig. Der sieht exakt so aus wie die Korsen in “Asterix auf Korsika” dargestellt werden. Ich habe mich voll erschrocken und bin gerade gar nicht so sicher, ob ich wirklich nach Korsika will. Ich hoffe, die sind da nicht alle so.

Übrigens ist jeder Parkplatz in Südfrankreich zugemüllt. Aber nur die Parkplätze für Autos und Lkw, ansonsten liegt so gut wie gar kein Müll herum, weder in den Orten noch entlang der Straßen.

Gegen 16:30 Uhr kommen wir am Fährhafen in Toulon an. Wir müssen uns noch eine Weile gedulden, bis wir aufs Schiff können, aber das wird im nächsten Beitrag erzählt.

Statistik

765 Kilometer sind wir an den drei Tagen gefahren.

Karte

Auf der Karte sieht das so aus:

Video

Ihr könnt meinem Video-Kanal auch direkt folgen. Ihr findet ihn unter: magerquark unterwegs auf clip.place. Oder ihr abonniert den RSS-Feed.