Work & Travel bis zum Dreiländereck

Wir haben einen weiten Anreiseweg bis zu unserer Urlaubsdestination. Und wir wollen kurz vor Weihnachten auch noch einmal die Familie besuchen, hatten wir doch bei der letzten Arbeitstour keine Zeit dafür. Daher machen wir uns schon früh auf den Weg, um einigermaßen stressfrei an der Fähre anzukommen. Theoretisch. Praktisch müssen wir schon wieder um das Auto bangen.

Tag 1: Von Rostock nach Kurhessen

Samstag, 13. Dezember 2025

Es ist sieben Uhr morgens, der Mann ist im Bad, ich räume Kram zusammen und dabei unter anderem die Lebensmittel aus dem Kühlschrank in eine Tasche zum Runtertragen. Was sehe ich da? Schimmel auf einem der Glaseinlegeböden an der Kante. Das kann so nicht bleiben! Kurz entschlossen wasche ich den kompletten Kühlschrank aus, ich habe ja sonst nichts zu tun.

Gegen neun Uhr machen wir uns auf den Weg. Noch schnell tanken und AdBlue auffüllen, dann geht es los Richtung Süden.

Pleiten, Pech und Pannentour - wie immer. Auf der A14 kam uns die Idee, Radio zu hören. Aber das Radio war anderer Meinung und wollte resettet werden. Das ist nun das dritte Mal seit wir dieses Auto haben. Resetten geht nur, indem man die Sicherung rausnimmt und wieder reinsteckt. Das ist eine friemelige Angelegenheit aber machbar. Wir halten dafür auf einem Rastplatz und haben ein Photo für die Rastplatzgalerie.

Ein Clip fehlt. So ein weißes Ding wie auf dem zweiten Bild. Wir wissen nicht, seit wann der fehlt. Der ist für die Abdeckung vom Sicherungskasten und wird wohl ersetzt werden müssen.

In der Zwischenzeit fege ich hinten mal aus. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das seit der letzten Reise nicht gemacht habe. In der feucht-kalten Jahreszeit, also in Herbst und Winter hält sich meine Motivation, den Camper zu putzen, in engen Grenzen.

Das Radio funktioniert zwar nun wieder, aber der USB-Stick wird nicht erkannt. Also hören wir Podcasts über mein Handy mit dem Autoradio als Lautsprecher. Ein weiteres, schon länger bestehendes Problem sind die Ansagen vom Navi. Die sind oft abgeschnitten, nur die Hälfte wird angesagt. Ob das an der App, an meinem Smartphone oder dem Autoradio liegt, wissen wir nicht. Der Reset hat das Problem jedenfalls nicht behoben.

Vom Ende der A14 bis Braunschweig fahren wir wie immer über Bundesstraßen. Unterwegs machen wir eine Rast auf einem Parkplatz für das Mittagessen.

Der Platz für die Nacht wird wieder der Golfplatz in Kurhessen sein. Da oben hat man seine Ruhe.

Das letzte Stück Landstraße ist allerdings der Horror. Es ist stockdunkel und ziemlich neblig. Teilweise ist selbst der nächste Begrenzungspfosten kaum zu sehen und wir können kaum schneller als 30 km/h fahren. Ein junges Reh steht am Wegesrand, es wartet anscheinend auf seine Mutter und ist uns glücklicherweise nicht vors Auto gelaufen. Aber dann erreichen wir die Wanderhütte und den dahinter liegenden Stellplatz. Da werden wir sogar mit Weihnachtsbeleuchtung begrüßt.

Tag 2: Familienbesuch mit Zeitreise

Sonntag, 14. Dezember 2025

Wie so oft zu Beginn einer Tour bin ich mit Rückenschmerzen aufgewacht. Die müden alten Knochen müssen sich erst an die veränderten Bedingungen gewöhnen. Zuhause sitze und liege ich fast gar nicht, da bin ich überwiegend auf den Beinen. Unterwegs ist das komplette Gegenteil.

Der Nebel ist einigermaßen weg, trüb ist es aber immer noch. Nach dem Frühstück geht es weiter nach Frankfurt, wir sind mit den Eltern des Herrn Lebensabschnittsgefährten verabredet.

Als ich gestern fuhr, hatte ich den Eindruck, das Auto zieht nicht so gut wie sonst. Ich habe aber nichts gesagt, weil es auf der A7 in den Kasseler Bergen ständig bergauf und bergab geht. Da ist das nicht ungewöhnlich mit unserem Fahrzeug. Der Herr Lebensabschnittsgefährte hatte auch dieses Gefühl, sprach aber ebenfalls nicht darüber, wie wir heute herausgefunden haben.

Jetzt auf der Autobahn fährt der Herr Lebensabschnittsgefährte mit Tempomat mit 108 km/h. Sobald es ein bisschen bergauf geht, macht der Wagen schlapp, geht teilweise auf 90 km/h runter. Wir haben ernsthafte Bedenken, ob wir es bis Korsika schaffen. Wir müssen über die Alpen und auf Korsika ist es bergig. Und wir haben keine Lust, den Urlaub schon wieder mit Werkstattsuche zu verbringen. Die App zeigt auch wieder einen Fehlercode im Fehlerspeicher des Autos.

Wir kämpfen beide mit den Tränen. Die Situation ist so zum Kotzen! Müssen wir tatsächlich schon wieder einen Urlaub abbrechen? Wir fahren zunächst trotzdem weiter bis Frankfurt, wir sind ja eh schon fast da, auf die paar Kilometer kommt es jetzt auch nicht an. Und dort wartet Essen auf uns.

Zuvor halten wir aber noch einmal an der Raststätte Wetterau, Motor aus, Pinkelpause. Anschließend, oh Wunder, fährt das Auto wieder völlig problemlos. Wir können überholen, wir kommen mühelos Hügel hinauf, Auto fährt wie immer, als wäre nichts gewesen.

Wir sind ratlos. Und hungrig. Und wir sind da. Es gibt Cottage Pie zu essen. Sehr lecker!

Der Herr Lebensabschnittsgefährte ist nach dem Essen mit dem Stuhl zusammengekracht. Die Portionen waren aber auch reichlich! Der Stuhl war natürlich vorher schon angeknackst und die Männer haben sich nun endlich mal drangemacht, den zu leimen.

Anschließend besichtigen wir eine leerstehende Ferienwohnung, zu der die Eltern den Schlüssel noch haben, weil kürzlich erst Besuch dort übernachtet hat. Es ist eine Reise in der Zeit zurück in die 60er Jahre. Ich finde die Wohnung sehr kultig.

In der Küche findet sich natürlich auch modernes Küchengerät wie Toaster, Kaffeemaschine usw. und im Wohnzimmer steht ein moderner Fernseher, es gibt WLAN und alles, was man heutzutage so braucht. Aber das Mobiliar ist zusammen mit ein paar alten Geräten, die überwiegend zur Deko herumstehen, echt cool.

Nachmittags schaufeln wir noch Mengen an Plätzchen, Kaffee und Tee in uns hinein. Dann müssen wir uns wieder Gedanken um unser Auto-Problem machen.

Ob der Turbo Probleme mit hoher Luftfeuchtigkeit hat? Es war ja gestern und heute Morgen durchgehend trüb mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Wir beschließen, noch ein bisschen weiter Richtung Süden zu fahren. Bis zum Dreiländereck sind es nur noch knapp 300 Kilometer. Der Mann muss sowieso die Woche arbeiten. Sollte das Auto weiterhin rumzicken, könnten wir nächstes Wochenende immer noch zurück.

Das ist der Plan, den wir schmieden, und fahren weiter zum Wohnmobilstellplatz in Lorsch.

Wir fahren als zähfließender Verkehr an einer Tankstelle an der Autobahn vorbei, es ist gerade viel los. Ein Liter Diesel kostet hier 2,12 Euro, 59 Cent mehr als gestern Morgen bei uns zuhause! Mir ist es ein Rätsel, warum immer noch so viele Leute auf der Autobahn tanken.

Schwiegermutter hat uns ein Päckchen mitgegeben. Ein Deko-Licht für zuhause und einen Adventskalender mit leichter Verspätung. Da mittlerweile der 14. Dezember ist, haben wir jetzt eine Menge Schokolade zu futtern. Wir beschließen, bis Weihnachten an jedem Tag zwei Türchen zu öffnen. Das ist ja auch nicht unpraktisch, wir sind ja schließlich zu zweit.

Tag 3: Lorsch

Montag, 15. Dezember 2025

Es ist Montag, der Herr Lebensabschnittsgefährte muss diese Woche noch arbeiten, erst am Freitag beginnt der Urlaub.

Auf solche Plätze hätte ich im Sommer überhaupt keinen Bock, wenn die Wohnmobile dicht an dicht stehen, die Leute alle ihre Tischchen davor stellen und auf ihren Stühlen sitzen, die Fahrräder hinten am Wohnmobil. Aber im Winter, wenn die Plätze fast leer und die Leute alle im Inneren ihrer Wohnmobile sind, sind sie okay. Außerdem haben wir hier Strom, das braucht der Mann zum Arbeiten. Sein Laptop verbraucht ziemlich viel Strom.

Ich gehe einkaufen, wir benötigen ein paar Lebensmittel. Der nächstgelegene Supermarkt ist mitten im Ort, ich bin eine Weile unterwegs, aber ich habe ja sonst nichts zu tun.

Nach dem Mittagessen gehen wir gemeinsam eine Runde spazieren.

Das Kloster Lorsch ist Welterbe und relativ bekannt. In der Nähe vom Stellplatz sind die archäologischen Reste der Klosterkirche Altenmünster aus dem 8. Jahrhundert aufgemauert und dadurch zu sehen.

Der Weg zurück an der Weschnitz entlang ist ein Lehrpfad mit Nistkästen heimischer Vogelarten. Ganz spannend.

Aber die Mittagspause ist zu schnell vorbei, wir müssen zurück. Kurz nach Feierabend wird es auch schon dunkel. Der Herr Lebensabschnittsgefährte muss den Stellplatz für eine weitere Nacht bezahlen und knipst die Weihnachtsbeleuchtung von außen. Den frühen Abend verbringen wir mit einem Spiel und ich recherchiere nochmal Tankstellenpreise, Bert lebt ja auch nicht von Luft und Liebe allein.

Tag 4: Stellplatz mit angeschlossener Pizzeria

16. Dezember 2015

Morgens schmeiße ich den Mann ganz gerne raus, damit er vor der Arbeit ein bisschen Bewegung und frische Luft hat. Es ist kalt und diesig draußen, außerdem noch recht dunkel, lang bleibt er nicht.

Wir laden über Kabel. Zunächst wird der Akku vom Laptop gefüllt, dann die Powerstation und dann sogar noch unsere Camper-Batterie. Das geht zwar langsam, aber es geht. Und trotz laufender Heizung ist am Ende des Tages in der Batterie mehr drin als vorher.

Nach Feierabend geht es wieder auf die A5, die nächste Etappe Richtung Süden.

Wir haben nun zwei verschiedene USB-Sticks ausprobiert, keiner funktioniert. Ob das an unserem Gerät oder an den Sticks liegt, wissen wir nicht. Der eine war schon im Auto und hat immer funktioniert, jetzt tut er das plötzlich nicht mehr. Am Laptop geht es aber. Mit dem anderen, der schon ziemlich alt ist, kann das Gerät gar nicht umgehen.

Das Auto piept hysterisch, wir haben nur noch 80 km Reichweite, wir haben nämlich bei Abfahrt vergessen zu tanken. Also runter von der Autobahn und tanken. Während wir da stehen, piept hinten im Camper der CO-Warner. Ob die Luft an der Tanke hier auf dem Autohof so schlecht ist? Wir lassen das erstmal auf sich beruhen, soll er halt piepen. Wir wechseln die Batterien, wenn wir auf dem Stellplatz sind.

Unser Ziel ist Vimbuch. Dort stellt ein Sportverein Plätze für Camper zur Verfügung. Wir finden den Parkplatz nicht direkt und überlegen noch, da kommt ein Hundegänger und zeigt uns, wo wir uns hinstellen können.

Die Übernachtung kostet fünf Euro, Geld, das in die Jugendkasse des Vereins geht. Im Vereinsheim ist eine Pizzeria als Pächterin. Dort muss man bezahlen. Und wir kaufen uns auch noch eine Pizza fürs Abendbrot. Als wir von der Pizzeria, wo man auch bezahlen muss, zum Camper gehen und gerade einsteigen, kommen zwei Typen mit ihren Pizzen vorbei und wünschen uns eine gute Nacht und guten Schlaf. Sehr nette Leute hier.

Das Auto ist bis hierher ohne Probleme und ohne Fehlermeldung gekommen. Wir bleiben gespannt.

Tag 5: Trüber Tag in Vimbuch

17. Dezember 2025

Nachts war es sehr ruhig hier, wir haben wirklich gut geschlafen. Zum Kaffee morgens kommen Kanalreiniger vorbei. Die haben ein furchtbar lautes Fahrzeug, eine Art riesigen Staubsauger. Ein Mitarbeiter läuft zu Fuß hinter dem Fahrzeug her, hebt die Gullideckel an und saugt mit dem riesigen Staubsauger Laub und sowas da raus. Anschließend wird mit einem Schlauch durchgespritzt und dann kommt der Deckel wieder drauf. Bei uns zuhause habe ich so etwas noch nie gesehen, da sind die Gullideckel komplett mit Laub zugedeckt. Sobald es stärker regnet, sind wir mit den 80 Zentimetern Wattiefe von Bert klar im Vorteil.

Ich gehe mal wieder einkaufen. Irgendwas vergesse ich immer und irgendwas fällt uns immer ein, worauf wir mal wieder Lust hätten. Also mache ich mich auf zum Rewe. Es gibt laut Navi zwei mögliche Wege dorthin, ich entscheide mich für den mit weniger Häusern und mehr Grün.

Der Einkauf erfordert festes Schuhwerk und rechtfertig meine Wandergaloschen, die ich an den Füßen habe, ich muss über die Wiese stapfen. Zurück gehe ich den Weg durch die Wohnsiedlung. Auch hier gibt es lauter nette Leute, ständig grüßt irgendwer.

Zum Nachmittag kommt dann doch mal die Sonne raus. So kann ich sie immerhin noch knipsen, bevor sie wieder hinterm Horizont verschwindet.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte macht bei einer wöchentlichen Photo-Challenge mit. Diese Woche ist das Thema Kitsch und er hat sich meine Snoopy-Weihnachtskugel als Motiv ausgesucht. Unglaublich, als ob Snoopy Kitsch wäre!

Tag 6: Von Vimbuch bis Hügelheim

18. Dezember 2025

Nach dem trüben Tag gestern ist es heute klarer. Der Herr Lebensabschnittsgefährte geht morgens Brötchen holen, während ich mich fertig mache.

In der Mittagspause laufen wir eine Runde um den Sportplatz. Auf einer Wiese stehen Alpakas und am Wegesrand ist ein Hofladen. Blöderweise haben wir kein Kleingeld dabei. Ich gehe am Ende der Runde, wenn der Mann wieder arbeiten muss, nochmal zurück zum Hofladen und hole ein paar Äpfel für uns.

Der Mann macht Feierabend. Wir packen unseren Kram ein und klettern aus dem Camper, da kommen wieder zwei Typen vorbei. Ich glaube, es sind dieselben wie am ersten Abend mit der Pizza. Sie fragen scherzhaft, ob das denn alles rechtens ist, wir würden ja immer nur hinten ein- und aussteigen. Ich muss lachen und erkläre, dass wir uns gerade abfahrbereit machen und wenn sie noch ein wenig warten, können sie uns wegfahren sehen. Als wir dann tatsächlich losfahren, stehen die beiden an einer Straßenecke, an der wir vorbei müssen, und winken zum Abschied.

Wirklich nette Leute hier in Vimbuch.

Unser letztes Etappenziel vor dem Urlaub ist das Dreiländereck im Südwesten. Ursprünglich hatten wir überlegt, duch die Schweiz zu fahren. Aber da Bert zu Beginn der Reise schwächelte, haben wir uns nun dagegen entschieden. Ich habe ein wenig Sorge, dass ihm Kälte und die Berge wieder den Rest geben und wir den nächsten Urlaub abbrechen müssen. Also fahren wir um die Alpen herum durch Frankreich.

Wir steuern zunächst eine Entsorgungsstation bei einer Wohnmobilwerkstatt an und entledigen uns unseres Abwassers und tanken Frischwasser. Anschließend fahren wir nach Hügelheim, wo wir auf einem Friedhofsparkplatz zwei offizielle Wohnmobilstellplätze der Gemeinde vorfinden und die Nacht zwischen Gräbern, Apfelbäumen und Weinbergen verbringen.

Beim Umsteigen von der Fahrer- in die Wohnkabine bin ich ganz fasziniert vom Sternenhimmel, der sich uns bietet. Es sind so viele Sterne so gut zu sehen, dass wir sie sogar mit unseren Smartphones freihändig ablichten können.

Leider hat der Lebensabschnittsgefährte keine Lust mehr darauf, Kamera und Stativ auszupacken. Es ist kalt, er will rein. Und er will noch seinen Drohnenführerschein erneuern, das ging nämlich in Rostock noch nicht, das wurde jetzt erst freigeschaltet. Die Prüfung hat er bestanden, aber der Bezahlvorgang funktioniert nicht. Er hat nun theoretisch auch im nächsten Jahr wieder einen gültigen Drohnenführerschein.

Wir sind nicht weit weg von Mulhouse. Morgen wird noch einmal gearbeitet und dann geht es los. Unser Auto ist bis hierhin wieder fehlerfrei gelaufen und wir wagen es, ins Ausland zu fahren.

Statistik

951 Kilometer sind wir bisher gefahren, einmal quer durch die Republik vom Nordosten in den Südwesten.

Karte

Auf der Karte sieht das so aus: