Tag 23 und 24 • Museumstag und Vulkanbesteigung

Das Wetter an diesem Tag: beschissen. Wasser aus allen Richtungen und ohne Unterbrechung, dazu Wind und tief hängende Wolken. Abends hatte es schon zu schütten begonnen, als wir ins Bett gingen. In der Unterkunft ist eine Reisegruppe aus Deutschland, deren Führer das schon seit Jahren macht und noch keinen so dermaßen dauerverregneten Juni erlebt hat. Sehr aufbauend.

Wir beschließend, zu Fuß durch den Ort zu laufen und ins Museum zu gehen. Es gibt hier u.a. ein Aquarium. Da darf man zwar nicht viel erwarten, aber ich wollte dorthin. Und was soll ich sagen? Da setzen die einfach einen Puffin mitten im Raum auf den Tisch!

Dieses Museum ist auch gleichzeitig Puffinauffangstation und das ist eine der langjährigen Bewohnerinnen hier, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Leben auf dem Nordatlantik geeignet ist. Jetzt ist sie halt Publikumsliebling von Beruf.

Wenn die kleinen Puffins flügge werden und die Nester verlassen, sind sie teilweise abgelenkt durch die Lichter der Stadt und finden nicht den Weg zum Strand. Die Kinder und Jugendlichen im Ort helfen dann den kleinen Pufflings und machen sich mit Kisten bewaffnet nachts ins Dorf auf, um die kleinen Vögel einzusammeln. Am nächsten Tag werden sie dann zur See gebracht und dort fliegen gelassen. Im Museum sind die Photos mit den Kindern, die Vögel gesammelt haben, ausgestellt. Tolle Aktion!

Als nächstes waren wir im Westmännerinselheimatmuseum. Die wesentlichen Ereignisse in der Geschichte des Ortes: Mormonen, Türkenüberfall, Vulkanausbruch, Sport und das jährlich stattfindende Festival.

Dem letzten Vulkanausbruch 1973, der ein einschneidendes Erlebnis für die Inselbewohner war, wurde ein eigenes Museum gewidmet. Dort gingen wir auch noch hin. Sehr beeindruckend war die Ausstellung eines Hauses einer Familie, das komplett mit Vulkanasche zugeschüttet war.

Weitere Bilder und Erzählungen zu den Museen und der Geschichte der Westmännerinseln gibt es, wenn wir wieder da sind.

Was halt am Straßenrand so rumsteht … ;)

Eine Rekonstruktion eines Hauses, das ebenfalls verschüttet wurde.

Am Abend gab es Bratwürste und Bratkartoffeln. In unserer Unterkunft gab es Herdplatten und Pfannen, ein Luxus!

Und alle ziehen brav die Schuhe aus. :)

Der Abend war recht nett. Die Reisegruppe war äußerst interessiert an unserer Karte und der eingezeichneten Route, an unserem Autoumbau und überhaupt, was wir schon alles gemacht und gesehen hatten. Vermutlich waren wir eine willkommene Abwechslung, da die Stimmung dort aufgrund von Dauerregen auch etwas gedrückt war. Witzigerweise dachten wir ja, die wären alle voll gut trainierte Wanderer, weil die alle so professionell gekleidet und ausgestattet wirkten. Und sie dachten dasselbe von uns. Kleider machen eben doch Leute. ;)

Abends saßen wir noch mit einer weiteren Reisenden recht lange zusammen und quatschten. Ein willkommener Ausflug heraus aus unserer sozialen Isolation.

Am nächsten Tag hieß es schon wieder Abschied nehmen von der Insel, auf der es uns sehr gut gefallen hat. Nach dem Frühstück bauten wir in Ruhe unser Auto wieder um. Wir hatten Glück, das Wetter war wieder ganz gut, zwischen den Wolken riss der blauen Himmel auf.

Als erstes fuhren wir mit dem Auto an die Südspitze der Insel. Dort gab es einen Puffinbeobachtungsunterstand und wir konnten tatsächlich welche sehen, die ihre Nester anflogen und kurz darauf wieder starteten. Dann fuhren wir noch ein Stück weiter bis zum südlichsten Punkt, der gleichzeitig auch der windigste Punkt Europas sein soll. Auch hier sahen wir Puffins und schauten ihnen eine Weile zu.

Danach fuhren wir zu dem Vulkan, der 1973 ausgebrochen ist, und kletterten hinauf. Für konditionslose Stadtmenschen wie mich ist das jedes Mal ein Akt. Schnaufend und pustend kam ich oben an. Ich war überrascht, wie warm es da ist. Und tatsächlich, wenn man die Steine anfasst, merkt man, dass die noch Wärme abstrahlen. Aus einem Loch in der Erde strömte warme Luft mit der man sich problemlos die Haare hätte föhnen können. Der Gedanke, auf einem aktiven Vulkan rumzuturnen, ist schon ein wenig gruselig.

An dieser Stelle ist die Insel das reinste Freilichtmuseum. Wir fuhren noch durch das frische Lavafeld und zu dem neuen Leuchtturm, der nach dem Vulkanausbruch dort aufgestellt wurde. Mit Blick auf die Hafeneinfahrt aßen wir im Auto unsere Brotzeit zu Mittag. Anschließend waren wir noch bei der rekonstruierten Festung, bei der Stabkirche, die die Insel von den Norwegern geschenkt bekam und besichtigten das Medizinmuseum.

Später gingen wir noch einkaufen, tranken einen Kaffee in einem Geschäft, das mitten im Ort war und eine Kombination aus Café, Buchladen, Touristeninfo, Souvenirshop und ein Briefkasten hing auch drin.

Um 16:00 Uhr ging unsere Fähre zurück aufs isländische Festland. Eigentlich wollten wir noch zum Seljalandsfoss, aber auf den Touristenzirkus hatten wir dann nur sehr wenig Lust.

Wir fuhren die 261 ein Stück weiter, kehrten dann aber um, da hier nur Schrittgeschwindigkeit möglich war. Wir fuhren zum Campingplatz. Der war klein und einigermaßen fein. Mit dem Gaskocher machten wir in leichtem Regen die restlichen zwei Bratwürste, zu denen es Brot und Ketchup gab, was wir ebenfalls draußen im Regen gegessen haben. Später stellte ich dann fest, dass es auch einen winzigen Aufenthaltsraum gibt, den wir aber beim Erkundungsgang übersehen hatten.

Wir legten uns früh ins Auto, guckten noch Bilder und schliefen bald ein.

Author

dark*

Immer gerne auf Tour, am liebsten im Norden

3. Juli 2018