Tag 28 und 29 • Abstecher ins Hochland und nach Norden zum Reiten und zurück in den Südosten

Fertig, ich bin absolut fertig. Der Urlaub dauert jetzt noch drei Tage. Bauchschmerzen gehen bei mir auch schon wieder los, denn die ganze Zeit ist schon im Kopf, was zuhause auf uns wartet. Trotzdem versuche ich, das noch so gut es geht zu verdrängen und die letzten Tage zu genießen.

Auch am 28. Tag waren wir wieder um 6 Uhr wach, gingen schnell duschen und frühstückten dann. Wie bereits am Abend zuvor, mussten wir wieder Entenküken aus einer misslichen Lage befreien. Die Küken sind mit Netzen vor Möwen etc. geschützt und manche schaffen es immer wieder zwischen beide Netze zu gelangen, wo sie dann nicht mehr raus kommen. Gestern Abend quakte eines jämmerlich mindestens zwei Stunden lang, dann konnten wir uns das nicht mehr mit ansehen und wurden aktiv. Und heute Morgen saßen da schon wieder zwei drin.

Wir hatten uns am Tag zuvor entschlossen, einen kleinen Abstecher ins Hochland zu machen. Die Straße, die der kürzesten Weg dorthin war, war in einem ähnlichen Zustand wie das Schild.

Vorher kamen wir noch am Hengifoss vorbei, wo wir - sehr zu meinem Leidwesen - auch raufgelaufen sind. Mit Bauchschmerzen ist das wahrlich kein Vergnügen. Allerdings war der Anblick oben schon enorm. Zwar kamen wir nicht bis ganz an den Wasserfall heran, aber es war trotzdem beeindruckend.

Das erste Stück ins Hochland war eine asphaltierte Piste, worüber ich ich ziemlich wunderte. Und dann stießen wir plötzlich auf eine riesige Staumauer. Da war dann klar, warum hier so eine gute Straße war.

Wir fuhren weiter und landete wie erwartet auf einer Schotterpiste in der Geröllwüste. Dort zu fahren ist einerseits wirklich ein Erlebnis, diese schier unendlichen Weiten, auf denen nichts und niemand wohnt - außer vielleicht ein paar Schafe und Islandpferde im Sommer. Allerdings wird es irgendwann auch ein wenig eintönig, muss ich zugeben. Daher finde ich es auch nicht allzu dramatisch, dass wir wegen der zu erwartenden Furten nicht alle Hochlandstraßen mit unserem Qashqai fahren können.

Eigentlich hatten wir überlegt, in Möðrudalur zu übernachten, aber es war erst 16 Uhr, dieser Ort lag mitten in der Geröllwüste und es gab absolut nichts, was wir hätten tun können bis zum Abend. Wir überlegten, was wir tun sollten, und beschlossen kurzerhand, nach Norden, nach Vopnafjörður zu fahren.

Blöderweise war der Campingplatz in Vopnafjörður ziemlich überfüllt. Halb Island schien hier gerade Urlaub zu machen. Wir fuhren also weiter, überlegten ein wenig und beschlossen, im Norden zu bleiben und weiter Richtung Osten zu fahren. Und plötzlich waren wir wieder auf der Passtraße vom ersten Tag. Damals war es dort total neblig, die Sicht teilweise nur 15 Meter, weil der komplette Bergkamm in Wolken gehüllt war. Jetzt war strahlender Sonnenschein und wir konnten die 14 und 15 % Gefälle und Steigung (leider) ebensogut sehen, wie die steilen Abhänge neben der Straße. Atemberaubend!

Der Campingplatz auf dem wir dann schlussendlich übernachteten, gehört zu einem Hotel. Wir waren ziemlich fertig, wir waren 11 Stunden unterwegs gewesen. Wir machten uns nur noch etwas zu essen und gingen dann zu Bett. Die paar Isländer, die hier Urlaub machten, spielten noch irgendein Spiel mit nummerierten Holzteilen und hatten Spaß dabei. Ich war so müde, dass mich das überhaupt nicht mehr störte und ich ziemlich bald einschlief.

Wieder früh aufstehen, duschen und frühstücken. Das ist hier echt von Vorteil, denn so früh ist kaum jemand wach. Isländer schon mal gar nicht, wenn überhaupt dann nur ein paar wandernde oder radelnde Touristen und von denen gab es hier auf diesem abgelegenen Platz überhaupt keine. Himmlische Ruhe beim Frühstück, nur die Vögel zwitscherten.

Wir fuhren im Norden ein wenig herum, unser Ziel war Húsey, das auf der Karte als sehenswerter Ort markiert war. Als wir fast da waren, stand am Straßenrand ein Schild, dass es ab hier eine Privatstraße sei, dass zu der Farm ein Guesthouse gehört und Pferde-Touren buchbar wären. Und wir hatten beide denselben Gedanken, ob wir nicht hier endlich unsere Runde auf Islandpferden drehen sollten. Das Wetter war gut und die Gegend nicht touristisch überlaufen, das könnte passen.

Als wir am Hof ankamen, wussten wir sofort, dass wir hier genau richtig sind. Wir wurden sehr freundlich empfangen und hatten ganz großes Glück: Eine halbe Stunde später sollte eine Tour losgehen, bei der problemlos noch zwei Anfänger würden mitreiten können. Wir holten unsere Regenjacken aus dem Auto (gegen den Wind, der am Wasser, wo der Ritt hingehen sollte, sicherlich viel stärker sein würde), Handschuhe und Stirnband bzw. Mütze. Dann ging’s los.

Wir ritten durch die Wiesen am Lagarflót entlang. In dem Fluss waren sogar Seehunde, die uns neugierig beobachteten, weitere lagen am gegenüberliegenden Ufer am Strand. Als wir am schwarzen Sandstrand angekommen waren, trabten wir auch ein wenig. Leider ging mein Pferd nicht von selbst im Tölt (das tun sie nämlich nicht alle) und ich habe keine Ahnung, wie man die Hilfen dafür gibt. Aber egal, es hat mir auch so gefallen. Und auch der Herr Lebensabschnittsgefährte, der ja überhaupt erst einmal im Leben auf einem Pferd saß, hatte Spaß und war total begeistert von der ganzen Aktion. Nach rund 2,5 Stunden waren wir zurück im Stall, überglücklich und mordshungrig. Wir fuhren ein Stück weiter und machten auf dem Parkplatz einer Kirche Picknick - begleitet von einem vorwitzigen Vogel, der auf der Motorhaube vom Qashqai rumhüpfte.

Anschließend fuhren wir die 944 nach Osten weiter, kamen am Lagarfoss nebst Staudamm vorbei.

Über die 94 fuhren wir bis nach Borgarfjörður.

Da es sich bei der 94 um eine Stichstraße handelt, mussten wir wieder zurück und fuhren sie dann weiter bis zur Ringstraße. Auf der blieben wir bis Reyðarfjörður, wo wir vor zwei Tagen bereits übernachteten. Vorgestern war hier fast nichts los, eine handvoll Camper auf einer kleinen Wiese. Heute sind drei Wiesen mit Wohnmobilen und Wohnwagen voll belegt. Wir fragten den Guard und sie erzählte uns, dass die Isländer wohl immer bei schönem Wetter ihren Campingkram auspacken und sich auf den Weg zu den besten Sonnenplätzen machen. Da für Süden, Westen und Norden für die nächsten Tage starker Wind mit 40 m/s angekündigt ist, sammelt sich jetzt ganz Island hier im Osten.

Ein wenig haben wir uns mit unserer Tour verschätzt und sind zwei Tage zu früh wieder im Osten angekommen. Die Fähre geht am kommen Donnerstag in der Früh und wir müssen uns jetzt noch drei Tage beschäftigen. Aber ein paar Ideen haben wir durchaus, das bekommen wir hin.

Author

dark*

Immer gerne auf Tour, am liebsten im Norden

8. Juli 2018